Foto: Andreas Friedle

Innovative Sportmaterialien

Michael Hasler und Werner Nachbauer (v.li.): Mit Industriepartnern entwickeln Sportwissenschaftler High-Tech-Textilien für den Sport- und Gesundheitssektor.

Know-how im alpinen Kleid

Tirol und Vorarlberg unterstützen ein Konsortium, das rund um Innsbrucker Sportwissenschaftler innovative Sporttextilien und -materialien entwickelt. Im Interview: Professor Werner Nachbauer und Michael Hasler, die das Projekt am Technologiezentrum für Ski- und Alpinsport der Uni Innsbruck leiten.


Tirol und Vorarlberg fördern in den nächsten Jahren mit rund 1,1 Millionen Euro Forschung über innovative Sportmaterialien unter Ihrer Leitung. Wer ist aller in dem Konsortium?

Werner Nachbauer: 22 Unternehmen, unter anderem aus Tirol, Vorarlberg und Südtirol – das zeigt das große Interesse an dem Thema. In Kombination mit Wissenschaftspartnern wie dem in Dornbirn angesiedelten Institut für Textilchemie und Textilphysik der Uni Innsbruck, wo Spitzenarbeit im Materialbereich geleistet wird, und unserem Anwendungsbezug in Richtung Physiologie und Biomechanik ergibt das ein sehr interessantes Paket.

Gibt es konkrete Projektpläne?

Michael Hasler: In Vorarlberg werden wir etwa an der Hydrophobierung von Outdoor-Bekleidung arbeiten. Jacken müssen wasserdicht sein, das macht man mit Membranen und Beschichtungen. Die eingesetzten Materialien sind perfluorierte Kohlenwasserstoffe, die sehr in der Kritik stehen. Wir suchen nun nach Alternativen, die sich möglichst an natürlichen Materialien orientieren.

Nachbauer: Ein neues Feld wird auch – aufbauend auf die technische Stickerei in Vorarlberg, die für die Autoindustrie z.B. Motorhauben auf Carbon produziert – die Kohle- und Glasfasertechnologie für den Sportbereich, für die Ski- und Schuhproduktion sein.

Sie haben schon fünf Jahre im Rahmen des COMET-Programms in diesem Bereich der „Sports Textiles“ gearbeitet. Gibt es eine Art Highlight aus dieser Zeit?

Hasler: Wir konnten z.B. wissenschaftlich nachweisen, dass präventive Kniestrümpfe einen Effekt erzielen können – die Erkenntnisse fließen in die Entwicklung der nächsten Produktlinie ein.

Nachbauer: Die Luftwiderstandsmessungen haben zur Verbesserung der Abfahrtsanzüge – unterschiedliche Rauigkeiten, Schnitte, Faserausrichtungen – und somit den Fahrern des ÖSV sehr viel gebracht.

Hasler: Im Rahmen des Projekts wurde auch eine neue Materialkonstruktion für Kleidung mit besonders hoher Verdunstungskapazität entwickelt, wodurch hohe Kühleffekte realisiert werden.

Knüpfen Sie in den nächsten Jahren an diese Arbeit an?

Hasler: Ja, sie wird zu einem großen Teil weitergeführt – die Materialtechnologie in Dornbirn, bei uns alle Aspekte der Biomechanik, besonders im Bereich Knie und die Thermoregulation für den ganzen Körper. Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Thema Kniestrumpf, das wir auch auf das Sprunggelenk ausweiten werden.

Gibt es noch weitere Ideen?

Hasler: Wir denken an eine Art Gütesiegel, Schlagwort „Alpine proof“, für Textilien, die für den Einsatz im alpinen Bereich gedacht sind.

"Alpine Proof“ würde also Standards und Eigenschaften garantieren wie etwa tragbar bei bestimmten Einsatzbedingungen?

Nachbauer: Oder für ein Zelt, dass es von starkem Wind etwa im Himalaya nicht weggeweht wird, weil wir es – als Beispiel – bei über 200 km/h getestet haben.
 


Dieses Interview ist auch im Standort Tirol, Ausgabe 03/2014 erschienen. Die gesamte Online-Ausgabe können Sie hier lesen.


Technologiezentrum Ski- und Alpinsport, Projekt Textiles
Institut für Textilchemie und Textilphysik, Universität Innsbruck

Zurück

Mehr zum Thema

Druck der vierten Dimension

Komplexität und Effizienz von 3D Tissue Engineering werden an der Meduni Innsbruck signifikant gesteigert.

Mehr erfahren

Pilzinfektionen im Visier

So geht gemeinsame Forschung im CD-Labor.

Mehr erfahren