Foto: Standortagentur Tirol

Vorgehen

Jörg Beckmann predIgt dem Weg vom Ego- zum e/ko-Mobil. Dass die Tiroler mit Hochtouren am Thema arbeiten, zeigten die Elektromobilitätstage 2015 und ein Reigen an aktiven Protagonisten.

Unter Strom

"Gesellschaftlicher Wandel manifestiert sich im Alltagsleben in erster Linie als Mobilität und Verkehr", hielt Jörg Beckmann, Geschäftsführer der Swiss eMobility, im Congress Innsbruck bei den Elektromobilitätstagen der Cluster Erneuerbare Energien, IT und Mechatronik Tirol fest.

Ein Wandel, der auch in Tirol zu beobachten war, hat doch der KFZ-Verkehr in den letzten 50 Jahren deutlich zugenommen – das Auto ist mit einem Anteil von 56 Prozent am Werktagsverkehr das mit Abstand am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel. Zudem führen Verstädterung, aber auch das „Leben auf dem Land“ rund um die Städte zu wachsenden Pendlerströmen. In der Tiroler Landeshauptstadt selbst werden die meisten Wege an Arbeitstagen per pedes zurückgelegt (29 Prozent), knapp gefolgt vom PKW (26 Prozent), Fahrrad (22 Prozent) und Öffentlichen Verkehr (16 Prozent). Anders sieht es am Land aus: PKW 49 Prozent, zu Fuß 21 Prozent, Rad elf Prozent und Öffis zehn Prozent. Generell sind die Tiroler pro Werktag in rund 75 Minuten auf 4,1 Wegen etwa 31 Kilometer unterwegs. Wege und Zeiten, die mit gängigen Elektroautos, deren durchschnittliche Reichweite 100 bis 150 Kilometer beträgt, bewältigbar sind, die zwischen den Fahrten anfallenden Standzeiten könnten bei entsprechender Infrastruktur als Ladezeiten genutzt werden.

Diese Zahlen hat sich unter anderem die Tiroler Stadt Wörgl zu Herzen genommen und die erste öffentliche schnell-ladefähige Ladesäule zentral aufgestellt. „Wir haben pro Fahrzeug eine durchschnittliche Tages-Kilometer-Leistung von 40 Kilometern. Und dafür ist ein Elektroauto die ideale Lösung“, sagt Reinhard Jennewein, Geschäftsführer der Stadtwerke Wörgl. „Um unser Konzept umzusetzen, ist es natürlich auch wichtig, dass es genügend E-Ladestationen gibt“, erklärt er weiter. Mit deren Entwicklung und Verbreitung sich in Tirol unter anderem die enerchange GmbH beschäftigt. Spezialisiert hat sich das Unternehmen auf Ladestationen, die Fahrzeuge mit überschüssigem Strom aus der regenerativen Erzeugung aufladen. Denn der enerchange-Geschäftsführer Otto Handle ist überzeugt, dass Elektrofahrzeuge nur so auch wirklich umweltfreundlich sind: „Erneuerbare Energien stehen zwar in ausreichender Menge zur Verfügung, aber nicht immer zur idealen Zeit. Die wichtigste ökologische Aufgabe der nächsten Jahre wird deshalb sein, den Strombedarf von Elektrofahrzeugen – im Idealfall durch intelligente, vernetzte Ladeinfrastruktur mit Pufferspeicher – zeitlich zu staffeln, um Erzeugungsüberschüsse optimal in den Fahrzeugen zu verwenden“, so Handle.

Innovative Unterstände und Aufladeplätze entwickelt auch die Firma Ekoteam Energie & Konstruktionslösungen in Wörgl. „Die Möglichkeit der Stromerzeugung aus integriertem Photovoltaik-Anlagen macht aus einem ‚einfachen‘ witterungsgeschützten Abstellplatz für ein- oder mehrspurige Fahrzeuge eine multifunktionale Anlage“, berichtet dazu Geschäftsführer Gerhard Niedermühlbichler. So kann die Anlage – zum Beispiel aus der Ekoteam-Carportserie DesiNergie - auch als Ladestation für Elektrofahrzeuge dienen und mit beleuchteten Logos, Werbesujets und Laufschriften ausgestattet werden, um zusätzliche Einnahmen für Betreiber wie die Stadtwerke Schwaz zu generieren.

Hannes Rose, Leiter der Abteilung Mobility Innovation Lab beim Fraunhofer IAO Stuttgart räumt Tirol beim Thema weitere Chancen ein: „Tourismus-Regionen wie der Standort Tirol bieten weitere Potenziale für eine Elektrifizierung der Mobilität. Zahlreiche Nutzer, nämlich die Gäste mit einer während der Urlaubszeit erhöhten Wechselbereitschaft, bieten eine ideale Voraussetzung für nachhaltige Mobilitätskonzepte. Diese könnten beispielsweise als kombinierte Übernachtungs- und Mobilitätsangebote realisiert werden.“ Nutzer, die neben fahrbaren Untersätzen und Infrastruktur auch nach mehr Services zum Thema fragen. Wie den für Elektrofahrzeuge optimierten Routenplaner, der in Tirol in zweijähriger Entwicklungszeit vom KOMPASS Kartenverlag in Zusammenarbeit mit dem inndata Rechenzentrum Innsbruck und der enerChange GmbH entstanden ist.

So viel E-Begeisterung steckt und zieht an. Weshalb der von der Schweizer Mobilitätsakademie organisierte World Collaborative Mobility Congress „wocomoco“ am 25. und 26. Juni 2015 erstmals im Ausland, und das in Innsbruck, über die Bühne gegangen ist. Der Congress Innsbruck stand zwei Tage sozusagen unter Strom.

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