Foto: Andreas Friedle

Erfolgsrezept

Dass alle Planer vom Start weg gemeinsam und nicht nacheinander agieren, ist die Grundlage für´s erfolgreiche Sanieren von Häusern auf Energieeffizienz, weiß der Tiroler Architekt Raimund Rainer.

Fit in jedem Alter

Nein wir reden hier nicht vom gesunden Best oder Golden Agers. Wir reden von Häusern. Auch die können fit sein. Und in Sachen Energieeffizienz sind sie es in Tirol. Schließlich saniert Tirol seinen Gebäudebestand laufend vorbildlich. Den Erfolg sichern das Know-how im Land, das beherzte Engagement des Landes Tirol und zahlreicher Spezialisten sowie wieder einmal die Kraft der Kooperation.

Der Tiroler Neubau kommt mit einem jährlichen Heizwärmebedarf von durchschnittlich nur 21 Kilowattstunden pro m² aus.  Das hat die Landespolitik geschickt eingefädelt. Denn nur wer energieeffizient baut, wird – die Erfüllung persönlicher Kriterien vorausgesetzt – vom Land beim Bauen finanziell unterstützt. Das größte Potenzial für mehr Energieeffizienz bietet aber auch in Tirol der Gebäudebestand. Schließlich sind rund 70 Prozent der Wohnungen vor 25 Jahren oder mehr gebaut worden und weitere 13 Prozent der Wohnungen sind 15 bis 25 Jahre alt. Durch den rasanten Fortschritt bei energieeffizienten Bautechnologien können sie ihre Energiebilanz selbstverständlich noch verbessern. Was das Land mit einer Sanierungsoffensive fördert, bei der Förderungen seit 2013 sogar einkommensunabhängig ausgezahlt werden.

Mit dieser Sanierungsoffensive haben allein in den letzten beiden Jahren zahlreiche umweltfreundliche Maßnahmen wie Fenstertausch, Heizungserneuerung oder Vollwärmeschutz & Co in rund 15.200 Wohnungen Einzug gehalten. 1.200 Wohnungen konnten umfassend saniert werden und kommen mit einem jährlichen Heizwärmebedarf von nur mehr rund 42 kWh/m² aus. Und das bei einer durchschnittlichen Bedarfsreduktion von 70 Prozent.  Diese Sanierungen schützen nicht nur das Klima oder haben den Bewohnern Einsparungen – wie zum Beispiel 1,4 Millionen Liter Heizöl pro Jahr - und ein Mehr an Lebensqualität gebracht. Gleichzeitig haben sie dem Tiroler Arbeitsmarkt ein Bauvolumen in Höhe von insgesamt 270 Millionen Euro beschert.

Beim Gebäudebestand nimmt sich das Land auch selbst an der Nase. Schon die Energiestrategie 2020 fixiert, dass die Gebäude der öffentlichen Verwaltung und Gemeinden energieeffizient aufzurüsten sind. Und dem folgt man konsequent. So gesehen am Gemeindehaus Karrösten, das mit Unterstützung des Unternehmens Alpsolar Klimadesign unter dem Architekten Raimund Rainer bereits im Jahr 2005 auf Passivhausstandard saniert worden ist. Seither werden das Gemeindehaus und die umliegenden Gebäude – ein Feuerwehrhaus, ein Wohnhaus, ein Reihenhaus - mittels einer 100 kW-Hackschnitzelheizanlage versorgt. Und das Gemeindehaus und 7 angeschlossene Wohnungen greifen unter anderem auf eine 60m² große thermische Solaranlage für Warmwasser und zur Heizungsunterstützung zu.

Zahlreiche öffentliche Gebäude sind seither gefolgt, unter anderen das Rathaus Kufstein, das Ärztehaus Ried, die Hauptschule Kirchbichl, die Erweiterung der Kinderbetreuung an der Volksschule Mutters, die Kindergartenerweiterung in Sistrans, die Neue Mittelschule in Inzing, das Schulzentrum Imst, das Seniorenheim in Landeck oder das Gemeindezentrum Galtür. Sie alle sind Beispiele nachhaltiger Sanierungen, die auf Themen wie Wärmeschutz, Wärmerückgewinnung, Wärmeschutzverglasung, erneuerbare Energiequellen oder gute Luftqualität setzen. Zu den energietechnisch modernsten öffentlichen Gebäuden Tirols zählt das letztgenannte Gemeindezentrum in Galtür im Niedrigenergiehausstandard. Für die hohe Energiequalität wurde der Gemeinde auch das Energiequalitätssiegel "EQ" verliehen. Durch den Neubau sowie eine Nahwärmeanlage wird hier der Kohlendioxidausstoß um 150 Tonnen pro Jahr reduziert.

Wie Tirol zu seiner Vorreiterrolle beim energieeffizienten Bauen kommt? Wieder einmal, weil alle an einem Strang ziehen. Da ist die Universität Innsbruck mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz an insgesamt drei spezialisierten Lehrstühlen zum Thema. Da ist die öffentliche Hand, die ein Vorankommen konsequent unterstützt. Da sind die Menschen, denen energieeffiziente Gebäude etwas wert sind. Und da sind schließlich auch die Unternehmen, die zur gelungenen Umsetzung entsprechendes Know-how einbringen.  

Know-how, mit dem sie erneut an einem Strang ziehen. Denn wirkungsvolles energieeffizientes Bauen und Sanieren lässt Bauherren, Architekten, Bauunternehmen und Haustechniker nicht erst nacheinander an den jeweiligen Baustellen antanzen. Vielmehr bringt es alle Beteiligten schon vom Start weg an den runden Tisch. Im Fachjargon nennt man das „Integrale Planung“. Architekt Raimund Rainer, der bereits zahlreiche Sanierungen öffentlicher Gebäude auf Passivhausstandard geplant hat, darunter die Erweiterung der Volksschule Karrösten oder die Sanierung des Gemeindehauses in Karrösten, erklärt: „Dass alle beteiligten Planer (Haustechnik, Energie, Technik, spätere Nutzer ...) von Anfang an gemeinsam und nicht nacheinander arbeiten, ist der zentrale Erfolgsschlüssel für die optimale Realisierung energieeffizienter Bauvorhaben und Sanierungen.“ Ein Schlüssel, den die Tiroler längst umgedreht haben.  

Zurück

Mehr zum Thema

Leistbare Energieeffizienz

Wohnen in der Passivhausanlage Schwaz der NHT kostet nur 5 Euro Miete pro Quadratmeter Wohnfläche.

Mehr erfahren

Wohlfühl-Traum

In Tirol entstehen energieeffiziente Holzbau-Wohnträume.

Mehr erfahren

An vorderster Front

Energie-Innovationen fürs Bauen liefern Tiroler Betriebe und F&E-Einrichtungen am laufenden Band.

Mehr erfahren