Foto: Standortagentur Tirol

Internationale Heimat

Erfindergeist und Humboldt-Forschungspreisträger Rainer Blatt forscht seit mittlerweile mehr als 20 Jahren in Tirol - im Bild mit seinen Mitarbeitern Peter Jurcevic (links) und Ben Lanyon (rechts), zwei von 150 internationalen Quantenphysikern in Innsbruck.

Ein Rheinländer in Tirol

Der Physik-Professor und gebürtige Rheinländer Rainer Blatt wurde 1995 nach Innsbruck berufen und fand dort seine neue Heimat. Nicht nur in der Forschung. Sondern auch bei den Menschen.

Dass er bald der Musikkapelle seines Wohnortes beigetreten ist, mag das seine dazu getan haben: „In der Musik ist das Zusammenspiel wichtig. Hier kommen sehr viele Menschen unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen zusammen. Das ist ein bodenständiges soziales Netzwerk, lange entstanden vor Facebook und anderen Netzwerken“, erklärt Rainer Blatt. Und um ganz reale Netzwerke dreht es sich auch an seinem Arbeitsplatz. Rund 150 Quantenphysiker aus mehr als 20 Nationen arbeiten an der Universität Innsbruck und dem Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, kurz IQOQI, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck zusammen.

Und das sehr erfolgreich: „Wir sind eines der wenigen größeren Quantenforschungszentren der Welt in unserem Arbeitsgebiet. Das gesamte Quantenteam hat in Innsbruck eine kritische Masse, die international viel mehr wahrgenommen wird als lokal und national“, sagt Blatt. Gemeinsam mit seinen Kollegen Peter Zoller, Rudolf Grimm, Francesca Ferlaino, Gerhard Kirchmair und Oriol Romero-Isart, sowie den Kollegen an der Universität und einer großen Zahl junger Wissenschaftler aus aller Welt erforscht Blatt die Grundlagen der Quantenphysik und treibt die Entwicklung von Quantentechnologien voran. So gelang ihm schon 2004 die erste Teleportation mit Atomen. Die Wissenschaftler haben dabei erstmals die Quanteninformation eines Teilchens kontrolliert auf ein anderes Teilchen übertragen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse verwenden die Physiker auch für den Bau von Quantencomputern, die bestimmte Aufgaben wesentlich effizienter lösen können sollten als heutige Supercomputer. Im Laborbetrieb arbeiten solche Quantencomputer bereits als Prototypen, aber bis zum alltäglichen Einsatz solcher Quantenmaschinen wird es noch einige Jahre dauern. Die Innsbrucker Prototypen dienen in erster Linie der Erforschung der Grundlagen der Quanteninformationsverarbeitung. Erste Anwendungen sind Quantensimulationen, denn wie könnten die Eigenschaften von Quantensystemen besser erkundet werden als direkt mit einem anderen gut kontrollierbaren Quantensystem. Die Forscher wollen deshalb Probleme in ihren wohl-kontrollierten Quantenrechnern im Labor simulieren und so zum Beispiel berechnen, welche Eigenschaften etwa Stoffe mit vielen Teilchen haben. Dies kann zum Beispiel zu Fortschritten in der Materialforschung führen.

Die Erfolge der Innsbrucker Physik finden international große Beachtung und werden auch immer wieder mit Auszeichnungen honoriert. So erhielt Rainer Blatt einen Humboldt-Forschungspreis, die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, den John-Stewart-Bell-Preis sowie einige weitere Auszeichnungen.

In Innsbruck, der Quantenhauptstadt, hat Rainer Blatt eine Heimat gefunden. Umgeben von Menschen, die wie er mit Leidenschaft forschen. Und mit Leidenschaft musizieren. Tirol ist ein Ort, an dem er sich wohlfühlt und der „ideale Wissenschaftsstandort im Zentrum der Alpen“, der, so Blatt im Zum Glück Tirol-Video, „mit seinem ausgezeichneten wirtschaftlichen Umfeld und seiner landschaftlichen wunderbaren Gegebenheit ein ideales Umfeld für die Forschung“ bietet.


Institut für Quantenoptik und Quanteninformation

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