Foto: Andreas Friedle

Problemlöser

"Aktive Enteisung ist weltweit nach wie vor eines der großen Themen in der Luftfahrt", sagt Markus Villinger. Dabei hat er das Problem gelöst.

Himmel eisfrei

Selbst begeisterter Flieger, entwickelte Markus Villinger eine innovative Technologie zum Enteisen von Flugzeugflügeln, Propellern & Co. Die nun auch bei Windkraftanlagen zum Einsatz kommen könnte.

Die Luft, das ist quasi die zweite Heimat vom Markus Villinger. Der Pionier im Drachenfliegen konstruierte schon in den 70er Jahren die ersten Hängegleiter, in den 80er Jahren entdeckte er auch die Liebe zum Paragleiter, er besitzt den Pilotenschein, leitet eine Flugschule und das Unternehmen Airwave, das Paragleiter herstellt – kurz: die Luft ist ihm nicht fremd, vor allem die Flugluft in Tirol. „Und wenn man in Tirol mit Motorflugzeugen fliegt, kommt man um ein Thema nicht herum: Vereisung“, sagt Villinger.

Während vor dem Start vorhandene Eisansätze durch Enteisungsflüssigkeit relativ leicht entfernt werden können, ist die Enteisung in der Luft weniger einfach, ohne aktive Enteisung wird es bei schlechtem Wetter schnell lebensgefährlich. „Vereisen etwa die Propeller, werden Aerodynamik und Leistung der Maschine schlechter, durch ungleiche Eisverteilung kann eine gefährliche Unwucht entstehen, die sowohl den Propeller als auch das Triebwerk beschädigen kann. Aber auch die Flügel und andere Teile des Flugzeuges müssen eisfrei gehalten werden, damit die Flugsicherheit erhalten bleibt. Aktive Enteisung ist weltweit nach wie vor eines der großen Themen in der Luftfahrt, das weiter optimiert werden soll“, fasst Villinger die Probleme zusammen, mit denen auch er mit seiner Propellermaschine immer wieder konfrontiert ist.

Vor rund zehn Jahren begann sich Villinger mit einer Lösung dieses Problems zu beschäftigen – und stieß auf das Thema elektrisch leitfähiger Lack. Mit Partnern begann er einen Speziallack zu entwickeln, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat: Durch das Anlegen von elektrischer Spannung lässt sich die Fläche, auf die der Lack aufgetragen wird, gleichmäßig und effizient erwärmen. „Trifft nun ein Fremdkörper auf einen Propeller, auf dem unser Heizlack aufgetragen ist, beschädigt er zwar die Lackfläche, der Strom kann aber um das Loch herumfließen und heizt die Fläche weiter“, erklärt Villinger die Vorteile seiner Erfindung, mit der er in Deutschland den größten Hersteller für Propeller von Kleinflugzeugen kontaktierte. Die ersten Tests verliefen erfolgreich, die auf den Propeller aufgetragenen Lackschichten erwiesen sich bei mehreren Prototypen in den letzten Jahren als flug- und vor allem enteisungstauglich. „Im Laufe der Zeit haben wir aber festgestellt, dass wir mit unserem Speziallack auch einen ganz anderen Weg gehen können, nämlich nicht mehr auf dem Propeller, sondern im Propeller integriert“, sagt Markus Villinger. Inzwischen fliegen aber nicht nur Testflugzeuge mit diesen Propellern sondern Villinger R&D hat solche Enteisungssysteme auch für Hubschrauber-Rotorblätter sowie Triebwerkseinläufe und Flügelvorderkanten von Flugzeugen entwickelt und damit international auf sich aufmerksam gemacht. Das zeigen besispielsweise die Nominierung zum„US-Biz Award“, quasi dem „Wirtschafts-Oskar“ für österreichische Unternehmen, die mit Spitzenleistungen in den USA aufwarten, im Jahr 2012. Oder der Innovation Award der Fa. MBDA im Jahr 2014 für ein neuartiges Strahlungsheizsystem.

Die Enteisungstechnik von Villinger R&D verbessert die Aerodynamik, sorgt damit für eine Leistungssteigerung, was wiederum zu einer Verringerung des Spritverbrauchs führt. Und es geht um recht beträchtliche Summen, wie die Tests in einem adaptierten Windkanal zeigten. „Die recht kleine Flotte an Propellermaschinen einer bekannten heimischen Fluglinie war vor einigen Jahren rund 2500 Stunden in der Luft. Die hochgerechnete Spritersparnis mit unserem Enteisungssystem hätte 200.000 Kilo Sprit betragen“, erzählt Villinger stolz. Von seinem Erfindergeist könnte künftig sogar noch ein weiterer Industriezweig profitieren. Denn Villinger hat jetzt auch ein Enteisungsystem für Windkraftanlagen entwickelt, welches Windkraftanlagen nicht nur leistungsfähiger, sondern auch sicherer macht.
 

Villinger R&D

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