Foto: Andreas Friedle

Vielseitig

Der Tiroler Forscher Georg Strauss ist außerdem Unternehmer. Jetzt treibt er als Leiter des Material Center Tyrol auch noch die Kooperationen anderer voran.

Ein Dünnschichtprofi packt an

Der Tiroler Vakuum- und Dünnschicht-Spezialist Georg Strauss ist ein Tausendsassa. Sein Weg führte ihn von der Wissenschaft in die Wirtschaft und nun wieder fast retour. Denn neben seinem Unternehmerleben nützt er die Kenntnis des Unibetriebs jetzt auch als Starthilfe für die Kooperationen anderer Betriebe.

Wenn Georg Strauss erklärt, warum es seine Arbeit braucht, nimmt er die Brille zur Hand. „Dass Brillen eine Antireflexbeschichtung haben, weiß eigentlich jeder. Was aber nicht mehr viele Menschen wissen, ist, dass eine Antireflexbeschichtung aus mehreren Schichten besteht, Schichten, die sich im Nanometerbereich bewegen“, erklärt der Physiker, um gleich zu veranschaulichen, was ein Nanometer ist: „Ein Meter durch 1000 ist ein Millimeter, dieser durch 1000 ist ein Mikrometer. Und wenn man einen Mikrometer noch einmal durch 1000 dividiert, erhält man einen Nanometer.“ Insofern ist die Bezeichnung für das Arbeitsgebiet, mit dem sich Strauss beschäftigt, eigentlich ein Paradebeispiel für britisches Understatement –Dünnschichttechnologie.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Strauss im Forschungsbereich Vakuum- und Dünnschichttechnologie, gemeinsam mit Stefan Schlichtherle gründete er 2003 im Außerferner Pflach das Unternehmen PhysTech Coating Technology, um sich der Entwicklung, Optimierung und Charakterisierung von Beschichtungsprozessen zu widmen. Und das gelang: 2011 erhielten sie den technology award 2011 des Centers for Academic Spin-offs Tyrol für die Entwicklung eines Messsystems zur Online-Analyse von Beschichtungsprozessen, im selben Jahr außerdem den Innovationspreis 2011 der Wirtschaftskammer Tirol für die Entwicklung funktioneller dünner Schichten für Brennstoffzellen. Bereits 2010 zeichnete die Wirtschaftskammer Tirol PhysTech mit dem Jungunternehmerpreis in den Kategorien Neue Ideen - Neue Produkte - Neue Märkte aus.

Das Vernetzen mit anderen Partnern, um gemeinsam ein Projekt voran zu treiben, war dabei schon immer ein Anliegen von Strauss. So arbeitete er bei einem Interreg-Projekt mit der italienischen Certottica und der Thin Film Technology Group der Universität Innsbruck gemeinsam an „Dekorativen Beschichtungen“: Dabei erforschten sie neue Methoden, um PVD- und PECVD-Vakuumtechniken umweltverträglich und kostengünstig für die Dekorbeschichtung einsetzbar zu machen und beispielsweise Brillengestellen die nötige mechanische und chemische Widerstandsfähigkeit zu verleihen. Im Rahmen von MASIPP, eines von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützten Projekts, arbeitete PhysTech mit dem Management Center Innsbruck, der Universität Innsbruck und Plansee Composite Materials an der Mathematischen Simulation und Modellierung von ionen- und plasmaunterstützten PVD (Physical Vapour Deposition) Prozessen zusammen.

Doch das war Georg Strauss nicht genug. Seit Sommer 2013 bringt er sein Know-how in das neu gegründete Material Center Tyrol ein. Das MCT bringt die richtigen Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft für anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Materialtechnologie, der Oberflächenfunktionalisierung und der Dünnschichttechnologie zusammen. „Wir wollen die Wissenschaft und die Wirtschaft enger verknüpfen“, erklärt Georg Strauss als Leiter des MCT die Idee des Kompetenzzentrums. Ein kurzer Blick auf die österreichische Patentstatistik verdeutlicht, weshalb sich das lohnt – bei der österreichweiten Verteilung der Patentanmeldungen aus dem Unternehmenssektor und der öffentlichen und kooperativen Forschung in industriellen Schlüsseltechnologien aus den Jahren 2000 bis 2010 kommen im Bereich Werkstofftechnologie 14,7 Prozent der Anmeldungen aus Tirol. Damit ist die Werkstofftechnologie hinter der Industriellen Biotechnologie schon heute die zweitstärkste industrielle Schlüsseltechnologie in Tirol. Aber auch die Klein- und Mittelbetriebe in Tirol sollen näher an die Universität heranrücken und deren Know-how, etwa bei Oberflächenanalytik oder am NanoLab, wo Geräte für Elektronenmikroskopie, Röntngendiffraktometrie und Nanoidentation zur Verfügung stehen, zum Ausbau von Marktvorsprung beim Verschleißschutz von Werkzeugen, bei kratzfesten Beschichtungen, schmutzabweisenden Schichten u.v.m. nützen.

Weil Innovationen in Kooperationen leichter entstehen, ist die Arbeit von Georg Strauss längst zum Motor der Tiroler Materialtechnologie avanciert. Georg Strauss  - ein Tausendsassa, der mit Ruhe die Arbeit an den nanometer-dünnen Schichten anpackt und dabei andere Wissenschaftler und Entwickler mitzureißen scheint.


Ausgewählte Links:

Material Center Tyrol
Phystech Coating
Cluster Mechatronik Tirol

 

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