Alleinstellungsmerkmal

Andreas Zimmermann mit seiner biegbaren Photovoltaikfolie - der gelernte Maschinenbauer beschäftigt heute 6 Mitarbeiter und ist an zahlreichen internationalen F&E-Projekte rund um Dünnschichtsolarzellen beteiligt.

Die Kraft der Sonne biegen

Vom Interesse an Photovoltaik zu einem EU-Projekt, das Design-Ideen für die Solarzellentechnik sucht, ist ein weiter Weg. Andreas Zimmermann ist ihn mit seiner Firma Sunplugged gegangen.

Die Kraft der Sonne zu nutzen, um daraus Strom zu erzeugen, ist das Prinzip der Photovoltaik. Die Kraft der Sonne zu biegen, um daraus Strom zu erzeugen, ist das Prinzip der Photovoltaik made by Sunplugged in Wildermieming. Doch die biegbare Photovoltaikfolie ist nicht das Alleinstellungsmerkmal des Tiroler Unternehmens, es ist die Möglichkeit, diese – mit einer eigens entwickelten Laserschneiddruck-Maschine –, den jeweiligen Kundenwünschen entsprechend, zuschneiden und flexibel verschalen zu können. Ein Alleinstellungsmerkmal, das sich Sunplugged in den letzten Jahren erarbeitet hat – mit viel Kopfarbeit, technischem Know-how, persönlichem finanziellen Einsatz und öffentlichen Förderungen. Ohne die, meint Firmengründer Andreas Zimmermann, wäre viel nicht möglich gewesen.

Zur Photovoltaik kam der gelernte Maschinenbauer über einen Umweg. „Sie hat mich immer interessiert“, sagt Zimmermann. Und so war er auch in der Zeit, als er mit einem Partner gemeinsam eine Software- und Multimediafirma betrieb, viel auf Messen unterwegs, schaute sich die Novitäten im Photovoltaikbereich an. 2006 schließlich gründete er Sunplugged als zweites Standbein, mit einem Mitarbeiter entwickelte er ein Leichtmodul für mobile Anwendungen: „Das produzieren wir in Kleinserien auch heute noch.“ Im Jahr 2008 traten zwei Tiroler Unternehmen an ihn heran, sie hätten da eine Idee: Ob es nicht machbar wäre, Photovoltaikelemente in Fassadenelemente zu integrieren? Zimmermann baute einen Prototyp, merkte aber bald, dass es für solche Spezialanwendungen am Markt keine brauchbaren Zellen gibt. Warum also nicht selbst etwas entwickeln? Kann es etwa eine Folie sein? Der Frage, ob dies überhaupt machbar sei, ging Zimmermann in seiner ersten Studie – mit dem Dünnschichtspezialisten Phystech und der Uni Innsbruck – nach. Ein industrielles Forschungsprojekt des Klima- und Energiefonds war der Einstieg in die geförderte Entwicklungsarbeit – und bedeutete für Zimmermann den Ausstieg aus seiner Softwarefirma.

„2009 habe ich meine Anteile verkauft und das Geld in Sunplugged gesteckt“, erzählt er. Im gleichen Jahr kam er auch in Kontakt mit Hella. Der Osttiroler Hersteller von Sonnen- und Wetterschutzsystemen stellte sich die Frage, ob man Photovoltaikmodule in Jalousien-Elemente integrieren könnte. Aus dem Kontakt entstand das vom Land Tirol und vom europäischen EFRE-Fonds finanzierte K-Regio-Projekt Prosolar. „Ein Projektziel war die Optimierung des Herstellungsprozesses, ein zweites der Bau einer Demofassade.“ Beide Ziele wurden erreicht, Probleme bereiteten aber die Wirkungsgrade der Solarzellen. Parallel zum K-Regio konnte Zimmermann noch ein experimentelles Entwicklungsprojekt beim Klima- und Energiefonds an Land ziehen. Im Zuge des Projekts konstruierte Kooperationspartner Ebner Industrieofenbau eine eigene Selenisierungsanlage für die Sunplugged-Technologie. „In diesem Ofen steckt viel mehr als die öffentliche Förderung“, berichtet Zimmermann. Die Kontakte, die er in den letzten Jahren auf Fachmessen zu Unternehmen, potenziellen Kunden und Forschungseinrichtungen geknüpft hat, führten zu weiteren F&E-Vorhaben. Synercis nennt sich das rund vier Millionen Euro schwere (davon 2,3 Millionen Förderung) Nachfolgeprojekt beim Klima- und Energiefonds,in dem Sunplugged mit sieben österreichischen Partnern den Wirkungsgrad und die Qualität von CIS-Solarzellen weiter steigern soll. Ergebnisse, die auch früheren Projekten zugutekommen könnten.

Andere Überlegungen werden in dem EU-Projekt Solar Design angestellt. Unter der Führung der TU Wien und der Beteiligung von Sunplugged will ein internationales Konsortium Photovoltaik in Gebrauchsgegenstände wie etwa Hüllen für Tablet-PCs integrieren. „Wir arbeiten aber auch am Design von Straßenlampen, bei denen der Lampenkörper das Solarpaneel ist“, berichtet Zimmermann über ein Projektziel. Ein anderes Projekt, an dem Sunplugged direkt beteiligt ist, liegt im technischen Bereich: „Bei der Produktion von Photovoltaik-Modulen wird Cadmiumsulfit– in absolut geringen, im Nanometerbereich liegenden Mengen – verwendet. Das soll durch andere Substanzen ersetzt werden. An der Uni Mailand werden kleine Samples hergestellt, unsere Aufgabe liegt dann darin, bei vielversprechenden Kandidaten größere Muster zu produzieren.“

Vor fünf Jahren, sagt Zimmermann, hätte er nicht daran gedacht, dass er heute mit elf Projektpartnern aus ganz Europa zusammenarbeitet, dass aus einer kleinen Machbarkeitsstudie ein EU-Projekt wird, dass Sunplugged inzwischen sechs Mitarbeiter hat. Und wie er zugibt: Ohne die öffentlichen Förderungen wäre viel nicht möglich gewesen. Allerdings auch nicht ohne seinen finanziellen Einsatz, oder das – persönliche und monetäre – Engagement seiner Partner. Mit dem gemeinsamen Ziel, die Kraft der Sonne zu biegen und so vielseitig und effizient wie möglich einzusetzen.


Dieser Beitrag ist erstmals im April 2014 im Tätigkeitsbericht der Standortagentur Tirol erschienen.

Sunplugged Photovoltaics
EU-Projekt Solar Design
EU-Projekt Synercis

 

 

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