Foto: Standortagentur Tirol

Millisekunden entscheiden

Wie schnell sich diese Kufe auf Eis und Schnee bewegt, das misst die Innsbrucker Sportwissenschaft mit einem dafür entwickelten Tribometer: indoor und absolut exakt.

High Speed-Messung

Eine Tiroler Sportinnovation macht Tempo und vermisst im Labor auf einem 27 Meter langen Messschlitten, wie sich Kufen & Co auf Eis und Schnee verhalten.

Sekundenbruchteile entscheiden über Sieg oder Niederlage. Neben der sportlichen Leistung ist die Beschaffenheit von Sportgeräten, insbesondere ihr Gleitreibungsverhalten auf Eis und Schnee, ein ausschlaggebender Faktor für die Schnelligkeit von Wintersportlern. „Bislang waren Feldexperimente die Standardmethode“, weiß Werner Nachbauer, Sportwissenschaftler und Leiter des Technologiezentrums Ski- und Alpinsport an der Universität Innsbruck. Mit Sportverbänden und Unternehmen (u.a. Kneissl Tirol, HTM Sport, Wintersteiger, KochAlpin, AST Eis- u. Solartechnik, Isosport und HWK Skiwachse) hat er aber ein Messgerät entwickelt, mit dem die Reibung zwischen Eis und Schnee und diversen Materialien wie Kufen, Skibelägen oder Fellen nun ganz exakt untersucht werden kann. Nicht auf der Piste. Sondern direkt am Sportinstitut der Uni Innsbruck. Dort steht seit 2012, in einem unscheinbaren, rund 40 Meter langen Wellblechcontainer, das sogenannte Tribometer. 

Genau ist das Tribometer ein Messschlitten, der auf einem Stahlträger auf einer 27 Meter langen Messstrecke mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 100 km/h läuft. Die High-Tech-Anlage ermöglicht Labormessungen unter exakt definierten Bedingungen. Die Labormessungen wiederum geben Aufschluss über das Gleitverhalten von verschiedenen Materialien, Geometrien und Oberflächenstrukturen sowie grundlegende Reibungsmechanismen ermöglichen. Untersuchungsobjekte sind Skibeläge aus verschiedenen Materialien mit unterschiedlichen Strukturen und Oberflächenbehandlungen, verschiedene Stahlsorten und Kufenoberflächen. Das nützt freilich nicht nur Herstellern. Auch Tirols und Österreichs Wintersportler profitieren. Denn auch der ÖSV (Österreichische Skiverband) war an der Entwicklung der Anlage beteiligt. Aus Überzeugung, wie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bei der Eröffnung des Tribometers bestätigte, denn: „Ohne Technologie und Wissenschaft ist es im Sport heutzutage unmöglich, Olympiasieger und Weltmeister hervorzubringen.“ Auf die nächsten Olympiasieger und Weltmeister aus den Reihen des ÖSV darf man sich also bereits heute freuen.
 

Technologiezentrum Ski- und Alpinsport

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