Foto: TVB Wilder Kaiser/Chris Thomas

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Zu ganz besonderen Anlässen und hohen kirchlichen Feiertagen holen die Unterinntaler Bäuerinnen ihr Kasettl heraus. Wie hier zur Fronleichnamsprozession in Scheffau.

Im Tiroler G'wand

Wer in einem Alpenland wie Tirol lebt und davon auch in Sachen Fashion, Lifestyle und Mode profitieren will, dem ist der Kauf eines Dirndls empfohlen. Denn mit einem Dirndl oder einer Lederhose im Kleiderschrank ist man zu Anlässen wie beispielsweise Hochzeiten oder Taufen immer gut gekleidet, genießt den Stilwandel und präsentiert meist sehr stolz einen Teil der eigenen Wurzeln.

Freilich hat nicht jeder Tiroler Dirndl & Co zu Hause. Und nur ein kleiner Bruchteil der Tirolerinnen besitzt ein Kasettl. Trotzdem gehört es zu Tirol wie die Berge zum Tal.

Das Kasettl ist die Festtagstracht der traditionsbewussten Tiroler Frau aus dem Unterinntal - ein Kleid mit Korsett (davon leitet sich das Wort Kasettl ab) und gesmokten Ärmeln, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Getragen wird es nur an hohen kirchlichen Feiertagen. Und zwar gemeinsam mit einigen Accessoires: einem Hut mit Goldquasten, einer fast bodenlangen Schleife, einem Halsband mit breitem Mittelstück, einer Haarspange und Blumenschmuck. Aufgrund von Hut und Korsett können Kassettl-Trägerinnen den Kopf nicht frei bewegen und müssen stets gerade stehen. Dabei drückt die aufrechte Haltung aus, was die Trägerinnen fühlen: Sie sind stolz auf ihre Tracht und gleichzeitig auf ihren bäuerlichen Stand.

Männer in Festtagstracht tragen hingegen eine Lodenjacke, "Joppe" genannt, eine Weste, ein weißes Hemd, eine knielange Lederhose, einen breiten Bauchgurt beziehungsweise „Ranzn“ und – nicht zu vergessen – ihre „Stuzn“. Das sind Strümpfe, die mit traditionell wadenbetontem Muster je nach Jahreszeit aus Wolle oder Garn gestrickt sind.

Entstanden sind die bunten bäuerlichen Festtagskleider aus der Alltagskleidung, die europäische Bauern seit dem Mittelalter weiterhin getragen haben. Das intensive religiöse Leben der ländlichen Bevölkerung förderte die Entwicklung, die von Tal zu Tal unterschiedlich ausgefallen ist. Denn jede Tracht hat ihre eigenen Farben und Accessoires. Für den Erhalt der vielfältigen Trachtenlandschaft sorgen heute eigene Trachtenvereine, Musikkapellen und Schützenregimenter. Und selbstverständlich alle privaten Träger und Trägerinnen des Tiroler G’wands, das sie bei entsprechendem Anlass jahrhundertelangen Gepflogenheiten folgend auch heute noch ganz selbstverständlich aus dem Kasten holen.

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