Foto: Andreas Friedle

Individuell therapieren

Das COMET K1-Zentrum Oncotyrol entwickelt im Verbund mit über 40 internationalen Wirtschafts- und Wissenschaftspartnern personalisierte Therapien zur Behandlung von Krebs. Geschäftsführer Bernhard Hofer berichtet von einer geplanten Spezialisierung.

Multiples Myelom im Fokus

Das Innsbrucker Krebsforschungszentrum Oncotyrol konzentriert seine Arbeit auf eine Krebserkrankung und erwartet für Ende 2015 finanzielle Einnahmen aus Bereichen, an die man vorher nicht gedacht hat.

Multiples Myelom nennt sich eine bösartige Tumorerkrankung des Knochenmarks, die jährlich bei 50.000 Patienten in Europa und den USA diagnostiziert wird und jedes Jahr bei 25.000 Patienten zum Tod führt. Die Behandlungsmöglichkeiten der nicht heilbaren Erkrankung haben sich in den letzten Jahren verbessert, die Lebensqualität und –erwartung der Patienten sind deutlich gestiegen. Doch Innsbrucker Wissenschaftler am Krebsforschungszentrum Oncotyrol sehen hier noch viel Potenzial und konzentrieren ihre Forschungsarbeit auf diese Tumorerkrankung.

„Die Fokussierung auf das Multiple Myelom ist das Ergebnis eines internen Diskussions- und Evaluierungsprozesses“, sagt Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Oncotyrol. Beim Start des Krebsforschungszentrums im Jahr 2008 habe man, sozusagen „mit jugendlichem Übermut“, in rund 30 Projekten auf die Erforschung von drei Krebserkrankungen – Brust, Prostata und chronische Leukämie – gesetzt. „Und das durchaus erfolgreich“, merkt Hofer an. Neun Patente, 375 Publikationen, 18 Diplomarbeiten und Dissertationen, 60 Wissenschafts- und Unternehmenspartner – Zahlen die auch bei der internationalen Evaluierung nach der Phase 1 beeindruckten und eine Verlängerung der COMET-Förderung bis 2015/16 zur Konsequenz hatten. Doch schon 2012 überlegte man, wie es nach dem Auslaufen der COMET-Förderung weitergehen soll. „Wir haben uns die Frage gestellt, in welchem Bereich wir ein Alleinstellungsmerkmal haben bzw. weiterentwickeln können“, so Hofer. Bei Brust- und Prostatakrebsforschung sei dies, trotz guter Ergebnisse und hervorragender Expertise am Standort, nicht gegeben, da die internationale Konkurrenz groß ist, anders sei die Situation aber beim Multiplen Myelom, bei der man auf eine Wertschöpfungskette bestehend aus hervorragender Grundlagenforschung, exzellenter klinischer Forschung, der Leitung des EU-Projekts OPTATIO und das österreichische Myelom-Register zugreifen könne.

„Wir haben uns in der Zwischenzeit auf neun Projekte reduziert, wobei auch Überlegungen, wie lange ein Projekt bis zur möglichen Umsetzung in die Klinik bzw. wirtschaftlichen Verwertung braucht, eine Rolle gespielt haben“, berichtet Bernhard Hofer. Die Phase der Selbstanalyse hat aber auch Überraschendes zu Tage gebracht, sagt Hofer, nämlich Entwicklungen aus dem Bereich der IT und des Health Technology Assessment, die eigentlich nur zur Unterstützung der Forschungsarbeit gedacht waren, inzwischen aber reale und zeitnahe Vermarktungschancen haben. Als Beispiel nennt Hofer das onkologische Expertensystem Saratiba: „Aus diesem Segment rechnen wir gegen Ende 2015 mit finanziellen Rückflüssen.“ Auch mit Partnern wie dem deutschen Spitzencluster Ci3, mit dem vor kurzem ein Kooperationsvertrag geschlossen wurde, soll die Forschung am Multiplen Myelom vorangetrieben werden.

 

Oncotyrol Meilensteine:

Quasi als Wegbereiter für das Krebsforschungszentrum Oncotyrol fungierten das K-ind-Projekt KMT (Start 2002) und der Spezialforschungbereich „Zellproliferation und Zelltod in Tumoren“ (2003). Die präklinischen Forschungskompetenzen wurden 2005 im Biozentrum gebündelt, 2006/07 wurde an der Antragstellung für Oncotyrol gefeilt, 2008 ging das K1-Zentrum im Rahmen des COMET-Programms an den Start und wurde nach einer Evaluierung 2011 bis 2015/16 verlängert.


Dieser Beitrag ist im Standort Tirol, Ausgabe 04/2014 erschienen. Der gesamte Standort kann hier gelesen werden.

www.oncotyrol.at

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