Foto: Organoid Technologies

In 35 Länder

Martin Jehart: "Organoid Technologies wächst nun auch mit Hilfe der FSP Ventures, einem Venture Capital Fonds aus Wien. Den Kontakt hat das Tiroler Investorennetzwerk innet vermittelt."

Duftende Natur auf Trägern

Es war auch der Wunsch, nicht mehr über 100 Tage pro Jahr durch die Welt zu tingeln, der in diesem Fall zu einer Unternehmensgründung führte. Zu einem Unternehmen, das auf einer auf Naturfasern basierenden Plattformtechnologie beruht und dessen Grundkonzept auf dem beruht, was sich die Unternehmensgründer Martin Jehart und Christoph Egger gerade in ihrer jahrelangen weltweiten Tätigkeit erarbeitet haben.

Die Idee für Organoid Technologies reicht mehr als zehn Jahre zurück, als Martin Jehart mit der Entwicklung von aufblasbaren Richtungstoren für die Flugveranstaltung des Red Bull Air Race beauftragt wurde.

Innerhalb von sieben Jahren wurde aus ersten Prototypen die High-End-Variante eines 20 Meter hohen, computergesteuerten und halbautomatischen Pylons. Dieses aufblasbare“ Knowhow entwickelten Jehart und Egger weiter, um „frei geformte“ Elemente aus natürlichen Fasern wie Hackschnitzeln, Schilf oder Stroh herzustellen. Im Prinzip wird dazu ein aufblasbarer Pneu in die gewünschte Form und Größe gebracht sowie mit einem Gemisch aus Naturfasern und natürlichem Bindemittel besprüht. Darüber kommt eine Folie, um das Gemisch im Vakuum zu härten, worauf Pneu und Folie entfernt werden – fertig ist die organoide Form. Deren Qualität schon international überzeugt. Mittlerweile wurden Idee und Produkt vielfach ausgezeichnet, nun bereits zum zweiten Mal mit dem Designpreis red dot award und  zweimal mit dem interzum award, der Produktpreis, der Material und Design in den Vordergrund stellt.

„Die Ursprungsidee ist, mit dem patentierten Verfahren große Flächen zu gestalten, von Carports bis hin zu Gebäuden wäre alles möglich. Allerdings ist das ein weiter, schwieriger Weg“, sagt Jehart. Ein Weg, auf dem Organoid in den letzten Jahren klassische Etappen eines Tiroler Start-ups durchlaufen hat. Teilnahme am Gründer-Wettbewerb adventure X, Ausarbeitung einer Patentanmeldung, Unterstützung bei der Unternehmensgründung durch CAST – Center of Academic Spin-offs Tyrol, erfolgreicher Antrag einer PreeSeed-Förderung und später einer Seed Förderung durch die Austria Wirtschaftsservice GmbH, Ausarbeitung von Geschäftsfeldern, die schneller als die Ursprungsidee vermarktbar sind. Aus der Plattformtechnologie hat sich mittlerweile ein sehr erfolgreiches Geschäftsfeld ergeben, mit duftenden Oberflächen aus vielen verschiedenen natürlichen Materialien wie zum Beispiel Rosenknospen, Lavendelstängeln oder Kornblumenblüten. Mittlerweile stehen rund 500 verschiedene Rohstoffe für die Verarbeitung zur Verfügung. Auf der interzum in Köln, der Weltleitmesse für Möbelbau ist im Mai eine weitere Produktgruppe vorgestellt worden: die organoiden Akustikpaneele. Diese in Zusammenarbeit mit der renommierten Akustikfirma Atmos Platurn aus dem Wiener Raum entwickelten Paneele lassen mit sehr guten Schallabsorptionswerten in Kombination mit organoiden Oberflächen aufhorchen.

Am großzügigen Produktionsstandort in Fließ werden die organoiden Oberflächen auf verschiedenen Trägermaterialien produziert und mittlerweile in etwa 35 Länder exportiert. Ermöglicht wurde ein so rascher und umfassender Markteintritt nicht zuletzt durch  zwei Investoren, die die einzigartigen Produkte mit an Bord holen konnte. Einerseits die Georg Ackermann GmbH, eine Tischlerei aus dem deutschen Wiesenbronn, die auf freie Formen spezialisiert ist, als strategischen Partner. Christoph Egger: „Von dort bekommen wir Know-how und aktuelle Trends, um uns auch näher an den Markt heranzuführen.“ Andererseits die FSP Ventures, ein Wiener Venture Capital Fonds mit Fokus auf innovative, technologieorientierte Unternehmen im Bereich Cleantech, als finanziellen Investor. Der Kontakt zu FSP Ventures wurde über das Tiroler Investorennetzwerk innet hergestellt, und bald stellte sich heraus, dass die notwendige Chemie zwischen FSP Ventures und Organoids passt. Eine Chemie, die seit 2014 Früchte trägt, wie Martin Jehart berichtet.
 

Organoid Technologies

 

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