Foto: Standortagentur Tirol

Arteriosklerose im Visier

Wollen Gefäßwände gesund erhalten, um Risiken für Schlaganfall & Co zu minimieren: Johann Willeit (links) und Stefan Kiechl von der Innsbrucker Universitäts-Klinik für Neurologie.

Gesunde Gefäße

Die Arteriosklerose zählt mit zu den häufigsten Erkrankungen in den Industrieländern und ist Hauptursache für Herzinfarkt und Schlaganfall. Gleichzeitig wird die Gesellschaft immer älter. Um dieses Altern gesund zu ermöglichen, erforschen die Medizinische Universität Innsbruck, die Universität Innsbruck, zwölf Unternehmen und das Kings College London (KCL) altersbedingte Veränderungen in der Gefäßwand und entwickeln gemeinsam Strategien, diese bis ins hohe Alter gesund zu erhalten.

VASCage nennt sich das interdisziplinäre Kompetenzzentrum bzw. K-Projekt im österreichischen COMET-Programm, das Gefäßerkrankungen den Kampf angesagt hat und herausfinden will, wie „gesundes Altern“ möglich ist. Dabei gehen die Projektbeteiligten das Thema ganzheitlich an: Die Neudefinition gesunder Ernährung, Gefäß- und Alternsforschung sowie der Einfluss von Darmbakterien oder Blutblättchen auf die Gefäßalterung und arteriosklerotische Prozesse spielen eine Rolle. „Konkret werden verbesserte Diagnoseverfahren und neue Therapieansätze entwickelt, die in wenigen Jahren Eingang in die PatientInnenbetreuung finden sollen“, sagen die wissenschaftlichen Leiter des Projekts, Prof. Dr. Stefan Kiechl und Prof. Dr. Johann Willeit von der Universitäts-Klinik für Neurologie.

Dabei setzen die Wissenschaftler unter anderem an der bekannten „Bruneck-Studie“ an – eine Langzeitbeobachtung von Einwohnern der Stadt Bruneck in Südtirol. Im Rahmen der Studie wurden vor etwa 20 Jahren 500 Männer und 500 Frauen genauestens auf Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Die Bedeutung der Auswertung – für Letztere sind im Besonderen Stefan Kiechl und Johann Willeit von der Innsbruck Uniklinik für Neurologie verantwortlich – lässt sich eindrucksvoll belegen. So finden sich über 120, auf Bruneck-Daten basierende, wissenschaftliche Arbeiten als weltweit beachtete Publikationen in Top-Wissenschaftsmagazinen wieder. Beispielsweise wurde durch die Bruneck-Studie ein Zusammenhang des microRNA-Musters im Blut mit Diabetes erkannt, was zur Frühdiagnose der Alterskrankheit dienen kann. Im Rahmen des K-Projektes wird die Bruneck-Kohorte deutlich ausgeweitet. So sollen bei allen BruneckerInnen, die älter als 70 Jahre sind, wichtige Gesundheitsdaten erhoben und die Determinanten für Langlebigkeit und für ein gesundes Gefäßsystem auch im fortgeschrittenen Alter analysiert werden.

Das neue COMET K-Projekt VASCage unterteilt seine Forschungsarbeit in drei Themen und Teilbereiche: der erste beschäftigt sich mit den Mechanismen der Entstehung von Gefäßkrankheiten. Im zweiten stehen die klinische Forschung sowie die praktische Versorgung und Rehabilitation der Patienten im Vordergrund. Der dritte Bereich will sich zudem der Vorbeugung durch Aufklärung über die Risikofaktoren und der Früherkennung widmen.

Sie sind an ähnlichen Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen interessiert? Das sind die Voraussetzungen: In K-Projekten im COMET-Programm müssen mindestens ein wissenschaftlicher Partner (Hochschule, Forschungsinstitut) und mindestens drei Unternehmenspartner beteiligt sein. Die Laufzeit beträgt bis zu vier Jahre. Die Förderung seitens des Bundes und der Länder beträgt maximal 675.000 Euro pro Jahr und ist auf 45 Prozent des Gesamtvolumens beschränkt, Unternehmenspartner müssen mindestens die Hälfte der Kosten tragen, der Rest ist von dem/den wissenschaftlichen Partner/n zu finanzieren. Die 6. Ausschreibung startet am 2. November 2015.

 

VASCage

Univ.-Klinik für Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck

COMET

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