Foto: Andreas Friedle

Substanzen monitoren

"Wir wollen immer mehr Informationen aus immer kleineren Proben und Konzentrationen erhalten", sagt Herbert Oberacher, Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck.

Spannend, aber auch schwierig

Core Facility Metabolomics nennt sich eine Forschergruppe an der Medizinischen Universität Innsbruck, in der Wissenschaftler rund um Herbert Oberacher zellulär Stoffwechselprodukte genauestens unter die Lupe nehmen.

„Beim Metabolom“, lacht Herbert Oberacher, „ist alles im Fluss. Das macht es spannend, aber auch schwierig.“ „Spannend“ und „schwierig“ – wäre der promovierte Chemiker Oberacher Brite, müsste man von „typical british understatement“ sprechen, umfasst das Metabolom doch alle Stoffwechselprodukte – Metaboliten – einer Zelle, einem Gewebe oder eines Organismus unter genau definierten Bedingungen hinsichtlich Konzentration, Raum und Zeit. Was wiederum heißt: Das Metabolom ist variabel, bietet aber gerade dadurch einzigartige Möglichkeiten, die Wirkung von exogenen und endogenen Stoffen im Körper zu untersuchen. Ein Forschungsgebiet, auf das sich Oberacher spezialisiert hat und das an der Medizinischen Universität Innsbruck in der Core Facility Metabolomics gebündelt wird.

„Ausgangspunkt der von Professor Richard Scheithauer geleiteten Core Facility war eine Forschungsgruppe am Institut für Gerichtliche Medizin“, erinnert sich Oberacher, der im Jahr 2003 als Universitätsassistent an diesem Institut andockte. Die Gruppe beschäftigte sich im Bereich der forensischen Toxikologie mit bioanalytischer Massenspektronomie, um das Knowhow zu verbessern, wie man Substanzen wie Drogen oder Medikamente, die dem Körper zugeführt werden, nachweisen kann. „Unsere zentrale Aufgabe ist es, immer mehr Informationen aus immer kleineren Proben und Konzentrationen zu erhalten“, berichtet Core Facility-Sprecher Oberacher. Zum Einsatz kommen dabei neben der Massenspektrometrie hochsensible Trenntechniken und umfangreiche Spektrenbibliotheken zur Identifizierung von Molekülen. Probendefinition, Analytik mit passenden Methoden und Geräten sowie die Datenauswertung sind die drei Bausteine, mit denen man, so Oberacher, in das Metabolom eintaucht, um nicht nur die Spitze des Eisbergs, sondern auch den größeren Teil unter Wasser zu sehen.

Vom qualitativen und quantitativen Nachweis von Drogen und Medikamenten in forensischen Proben war es nur ein kleiner Sprung, um mit dieser Vorgehensweise Hilfestellung bei medikamentösen Therapien zu geben. „Wir können Substanzen während der Therapie monitoren, feststellen, wo wann welche Konzentrationen vorliegen, in welchem Bereich diese therapeutisch und in welchem toxisch sind“, sagt Oberacher. Der letzte Schritt der Spezialisten war jener zur Identifizierung von körpereigenen Substanzen, den Metaboliten Ein Spektrum, das die Forscher der Gerichtsmedizin als analytischer Partnerin zahlreichen Projekten mit vorklinischen und klinischen Instituten der Medizinuni, aber auch mit der Universität Innsbruck zur Verfügung stellen. „Das reicht von der Onkologie über die Psychiatrie und Neurologie bis zu zellulären Fragestellungen im Bereich der Herzchirurgie“, so Oberacher.

„Ein Vorteil“, fährt er fort, „ist dabei sicher, dass die Gerichtsmedizin sowohl ein akkreditiertes Routinelabor als auch ein wissenschaftliches Labor ist und somit Standards und Know-how garantiert.“ Und dies braucht es für spezialisierte Fragestellungen, denn die passenden analytischen Antworten, so Oberacher, gibt es nicht von der Stange.
 

Dieser Beitrag ist auch im Standort Tirol, Ausgabe 01/2015 erschienen. Die gesamte Online-Ausgabe können Sie hier lesen.


Core Facility Metabolomics, Medizinische Universität Innsbruck

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