Foto: Andreas Friedle

Vorzeigebezirk

Blick auf den Innsbrucker Osten - hier arbeitet man mit Sinfonia an engagierten Zielen: Energiebedarf um die Hälfte runter, erneuerbare Energiequellen um 30 Prozent rauf und CO2-Ausstoß wieder runter, und zwar um 20 Prozent.

Smarte Pioniere

Innsbruck und Bozen werden im EU-Projekt Sinfonia zu energieeffizienten Vorbildern für die europäischen Städte von morgen.

Gut Ding braucht bekanntlich Weile. Und wenn das „Gut Ding“ Fördergelder von 27,5 Millionen Euro mit sich bringt und zudem noch ein Investitionsvolumen von über 200 Millionen Euro auslöst, dann nimmt man auch eine längere Weile in Kauf. Weil es sich lohnt, im Fall des EU-Projekts Sinfonia für Innsbruck und Bozen, für tausende Einwohnerinnen und Einwohner der beiden Städte, für Unternehmen diesseits und jenseits des Brenners, für die Umwelt im urbanen Alpenraum. „Energy – European Smart Cities and Communities“ nennt die EU-Kommission ihre Initiative im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms (FP7), die dazu beitragen soll, bis 2020 die Energieeffizienz um 20 Prozent zu steigern, und bis 2050 eine kohlenstoffarme Wirtschaft und Gesellschaft zu entwickeln. Besonders im Auge hat die EU dabei Städte und urbane Räume, da diese für rund 70 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich sind.

Smart Cities sind also das Ziel, Städte, die Heimat sind für eine „zukunftsfähige städtische postfossile Gesellschaft“, Städte, die im energetischen Sinn zu intelligenteren Städten umgebaut bzw. entwickelt werden sollen. Von Sommer bis Winter 2012 wurde auf Initiative der Standortagentur Tirol intensiv geplant und gearbeitet, ehe im Dezember 2012 das vom renommierten schwedischen SP Sveriges Tekniska Forskningsinstitut in Boras koordinierte Sinfonia-Projekt eingereicht wurde. Im Frühjahr 2013 wurde das Konsortium unter 15 Anträgen unter die Top 3 gereiht und zu Verhandlungen eingeladen, die sich schlussendlich in die Länge zogen, ehe Sinfonia im Sommer 2014 offiziell starten konnte. Im Prinzip sollen Innsbruck und Bozen mit Sinfonia auf dreifache Art und Weise smarter werden: durch energie- und kosteneffiziente Sanierung von Wohngebäuden (bis zu 66.000 m² Wohnfläche allein in Innsbruck), durch den Einsatz von Smart Grids sowie die Optimierung von Kälte- und Wärmenetzen bezüglich eines verstärkten Einsatzes erneuerbarer Quellen.

Drei Ansätze, die in den zwei Städten als sogenannte Demo Cities erprobt und über ihre Grenzen hinaus zum Einsatz kommen sollen. „Die internationale Sichtbarkeit wird dadurch gestärkt, dass die in Innsbruck und Bozen erarbeiteten technischen Lösungen und Erfahrungen in vielen europäischen Partnerstädten des Projektes zur Anwendung kommen“, hält dazu Harald Gohm, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol, fest. Early Adopter Cities, welche die in Innsbruck und Bozen demonstrierten Maßnahmen jedenfalls zur Umsetzung bringen wollen sind die Städte Rosenheim (D), La Rochelle (F), Sevilla (E), Pafos (CY) und Boras (SE). Weitere 14 sogenannte Cluster Cities haben bereits Interesse an den Ergebnissen bekundet. Den Europagedanken stellt auch Unternehmer und Konsortiumsmitglied Gernot Becker in den Fokus: „Europäische Partnerschaften sollen den Europäischen Gedanken der Zusammenarbeit zwischen Ländern und Partnern vertiefen, die auch zu gemeinsamen Projekten in der Zukunft führen.“

Die ersten Sanierungsarbeiten an ausgewählten Wohnanlagen starten in Kürze. In einigen Wohnungen peilt man sogar Passivhausniveau an. Mit den Sanierungen fällt auch der Startschuss für die intelligenten Stromnetze, die Informationen aus den in den Wohnungen installierten Smart Meters automatisch abrufen werden, damit jeweils auf die aktuelle Verbrauchssituation reagiert werden kann. „In die ersten Wohnanlagen, die von unseren Partnern saniert werden, wollen wir schon heuer mit unserer digitalen Welt einziehen“, berichtet Helmuth Müller von den beteiligten Innsbrucker Kommunalbetrieben. Diese widmen sich im Projekt übrigens auch der Frage, inwieweit das im Brenner-Basistunnel anfallende Drainage-Wasser mit einer Temperatur von ca. 22 Grad zum Heizen und Kühlen von Wohn- und Geschäftsgebäuden herangezogen werden kann. Eine entsprechende Studie dazu läuft bereits. 
 

Dieser Beitrag ist auch in der Sonderausgabe des Standort Tirol zum EU-Projekt Sinfonia erschienen. Die gesamte Ausgabe zum Nachlesen finden Sie hier.

www.sinfonia-smartcities.eu

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