Foto: Standortagentur Tirol

Profi trifft Profi

Der faserverstärkte Kunststoff splineTEX ermöglicht freie Strukturen ohne aufwändigen Formenbau. Erfinderin Valentine Troi gründete in Tirol und bringt ihr Technologie in Kooperation mit Thöni in die Industrie.

Der Stoff, der Zukunft bringt

Aus einem spezialisierten Universitäts-Spin-off ist im Zuge einer Kooperation mit der Firma Thöni ein Unternehmen entstanden, das die jetzt noch sehr teuren Faserverbundwerkstoffe in Zukunft industriell fertigen möchte.

Dass „Ice-Man“ Kimi Räikkönen nach einem Frontalcrash jenseits der 200 km/h beim Grand Prix in Silverstone unverletzt blieb, seine Box anfunken und sich danach erkundigen konnte, ob sein Fahrerkollege Felipe Massa okay sei, verdankt er seinem aus Kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigten Monocoque. Das Potenzial, das in dieser Technologie steckt, haben auch die Thöni Industriebetriebe erkannt. Daher unterstützt das Unternehmen seit einiger Zeit das Tiroler Start-Up „superTEX“. „Ich bin schon während meines Architekturstudiums auf Faserverbundwerkstoffe aufmerksam geworden. Die Möglichkeiten, die man damit hat, haben mich fasziniert“, erzählt Valentine Troi, Geschäftsführerin der superTEX Composites GmbH in Telfs. Kerntechnologie ist das von Valentine Troi entwickelte splineTEX®-Verfahren, bei dem ein flexibles Schlauchhalbzeug zu frei geformten, duroplastischen Faserverbund- Hohlprofilen, vorwiegend CFK-Rohren, verarbeitet wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren können splineTEX®-Strukturelemente auch ohne Form und ohne kostspielige Verformungsprozesse hergestellt werden.

„Arthur Thöni hat einen kurzen Fernsehbericht über uns und unsere Idee gesehen und hat sich bei mir gemeldet und gemeint, er könne sich vorstellen, unseren Ansatz im Bereich industrieller Produktion weiterzuentwickeln“, erläutert Troi. Inzwischen arbeiten die Profis von Thöni intensiv an der für große Stückzahlen notwendigen Automatisierung, denn bisher benötigt die Herstellung von Faserverbundwerkstoffen immer noch extrem viel Handarbeit. „Dazu kommt, dass die Industrie generell seit ungefähr zwei Jahren an neuen automatisierten Herstellungsverfahren arbeitet“, betont Peter Wiedner, Leiter des Bereichs für neue Textil- und Faserverbundprodukte bei Thöni. Für Thöni ist dieser Bereich also ein wichtiger Zukunftsmarkt. Dazu meint Wiedner: „Integrale Planung ist der Schlüssel zu nachhaltigen Konzepten. Wenn man sich die Autoindustrie, den Flugzeugbau und andere Bereiche anschaut, sind diese Konzepte eben Faserverbundstoffe.“

Ein weiteres Feld, das superTEX erobert, sind Faserverbundfedern. So erreichen Spiraldruckfedern aus glasfaserverstärktem Kunststoff im Verhältnis zu einer Stahlfeder eine Gewichtsreduktion von bis zu 40 Prozent. „Wir haben bereits einige Pilotkunden und wollen diese Federn im gesamten Fahrzeugbereich – von Fahrrädern über Motorräder und Autos bis hin zu großen Nutzfahrzeugen – einsetzen. Außerdem haben wir mit unserer ganz spezifischen Entwicklung in der Herstellung ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Deshalb  investieren wir hier auch viel Zeit und Geld“, meint Valentine Troi. Wichtig ist diese Kooperation in zweierlei Hinsicht, so Wiedner: „Wir möchten uns neben unseren angestammten Bereichen auch ein weiteres Standbein sichern. Und natürlich sind neue Technologien für den Standort Tirol langfristig besonders wichtig.“


Dieser Beitrag ist auch im Standort Tirol, Ausgabe 03/2014 erschienen. Die gesamte Online-Ausgabe können Sie hier lesen.


superTEX Composites

Thöni Industries

 

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