Foto: Friedle

"Gscheit oder gar nicht"

Ihr Lebensmotto übertrugen Norbert Span (links) und Marius Massimo selbstverständlich ins eigene Unternehemen - die viscopes stehen wohl auch deshalb schon an 120 Standorten.

Der Zaunlocheffekt

Mit Hilfe des Beteiligungskapitals der Tiroler Adlerrunde wurde aus der Garagenfirma Eiswelten das Jungunternehmen idee, das für Ausblicke sorgt.

Sie stehen in Arosa, auf der Seiser Alm und im norwegischen Strandafjellet, in Berlin, Linz und über Innsbruck – und immer steht eine Idee dahinter. Nämlich eine Idee von idee, das VISCOPE. Das VISCOPE ist in einer wirtschaftskrisenbedingten Nachdenkpause im Jahr 2008 entstanden, idee selbst hat seinen Ursprung viel früher – und in Norwegen.

„Norbert Span und ich haben uns während des Meteorologie-Studiums an der Uni Innsbruck kennengelernt. In dieser Zeit war er einmal in Norwegen und ist ganz begeistert vom Gletschermuseum am Sognefjord zurückgekommen“, erinnert sich Marius Massimo. Für die zwei Studenten war klar – so etwas braucht es auch in Tirol. Nach ersten Überlegungen wurden sie bei Heinrich Klier, dem Stubaier Gletscherpionier, vorstellig. „25.000 Schilling haben wir für eine Konzepterstellung von ihm bekommen, die gleiche Summe vom Tourismusverband“, blickt Massimo zurück. Verwirklicht wurde das Konzept nicht, doch eine andere Gletschergröße, Klaus Dengg aus dem Zillertal, hatte von den zwei Studenten gehört: „Macht mir doch was für die Weltausstellung in Hannover.“ Span und Massimo schnitten Eiswürfel mit Kantenlängen von eineinhalb Metern aus dem Hintertuxer Gletscher, sorgten für eine „lässige“ Beleuchtung und präsentierten die „Faszination Eis“ auf der Expo 2000. Zurück in Tirol war das Team Eiswelten geboren, das an Wochenenden und im Urlaub – beider Studentenleben wurde durch das Arbeitsleben abgelöst – Ausstellungen und Ausstellungsräume konzipierte wie etwa auf der Franz-Josefs-Höhe am Großglockner oder das Museum der Tiroler Zugspitzbahn. 2006 gewannen sie einen Wettbewerb, sollten eine Dauerausstellung im Naturparkhaus Kaunergrat entwerfen. „Entweder gscheit oder gar nicht“, dachten sich Span und Massimo, kündigten ihre Jobs und gründeten die Eiswelten OG, arbeiteten in zwei Homeoffices in Landeck und Steinach, entwickelten Besucherzentren, Erlebniswelten sowie Museen und begannen sukzessive auch den Qutdoor-Bereich – Adlerweg in St. Anton, Nordpark in Innsbruck etc. – zu bespielen.

„Wir sind Ideengeber und Abwickler, auch die Planungen und Visualisierungen stammen von uns. Wir haben auch beide eine HTL-Ausbildung – Hoch- bzw. Tiefbau – hinter uns, das heißt, wir planen nichts, was man nicht bauen kann“, erzählen Span und Massimo, die ihre Projekte bei der Umsetzung bis zum Schluss begleiten. Wichtig ist ihnen auch die lokale Verortung ihrer Projekte. Die begehbare Sonnenuhr (Innendurchmesser acht Meter) etwa bei den Stubaier Elferliften, war doch das Bergmassiv des Elfer schon immer ein prägnanter Zeitanzeiger. Insofern, betonen Span und Massimo, sind ihre Aussichtsberge, Plattformen und Erlebniswege, die in der Zwischenzeit in zahlreichen Alpendestinationen zu finden sind, keine Stangenware.

Ebenso keine Stangenware sind die VISCOPES, neuartige Aussichtsfernrohre mit einem 360-Grad-Schwenkbereich, die eine Weltneuheit darstellen, sind sie doch „intelligent“. Während „gewöhnliche“ Fernrohre Objekte nur in die Nähe rücken, verbindet ein VISCOPE das Gesehene mit Informationen, in dem es Berge oder Stadtsilhouetten mit Namen, Logos oder Bildern überblendet – und das alles ohne Strom. „Das Umgebungslicht reicht vollkommen“, sagt Massimo. Zwei Linsen, ein halbtransparenter Spiegel und eine Art belichteter Diastreifen bilden das Innenleben eines VISCOPES. Die Information, mit welcher der Diastreifen versehen wird, liefert ein eigenes Programm via Geländemodellen bzw. der Kunde vor Ort via digitaler Fotografie. 2009 präsentierten Span und Massimo ihr Fernrohr beim Ideencasting 120 Sekunden erstmals der Öffentlichkeit, richtig ausgereift war es auch ein Jahr später noch nicht.

2010 war auch das Jahr, in dem die Tiroler Adlerrunde, ein Zusammenschluss führender heimischer Unternehmer, ihren Start-up-Fonds vorstellten, um heimische Jungunternehmer mit Kapital sowie Rat und Netzwerk zu unterstützen. Die „Vorselektion“ der Projekte übernahm die Standortagentur Tirol. „So sind wir auf die Adlerrunde gestoßen“, sagt Massimo. Die zwei Jungunternehmer überzeugten, 2011 stiegen der Start-Up-Fonds und der Unternehmer Alfred della Torre mit jeweils 20 Prozent in das Unternehmen ein, das sich von der Rechtsform her – von der OG zur GesmbH – und vom Namen der – von Eiswelten zu idee – änderte. „Aber auch sonst sind wir professioneller geworden“, betonen Span und Massimo. Aus den zwei Homeoffices wurde ein Büro in Innsbruck, das VISCOPE wurde weiterentwickelt, kleine Probleme beseitigt. „Seit zwei Jahren wurde nichts mehr verändert, die Geräte sind robust und wartungsfrei und stehen an rund 120 Standorten“, sagen die Jungunternehmer: „Die finanzielle Beteiligung der Adlerrunde, aber auch viele strategische Tipps von Alfred della Torre haben uns sehr weitergebracht.“ Zurzeit schaue es auch gut aus, dass über einen Adlerrunde-Kontakt ein konkretes Projekt entstehen könnte.

Konkret wurde in den letzten Monaten schon ihre zweite Erfindung, der VISHOLO. Ursprünglich für 3D-Produktpräsentationen gedacht, wurde die Eigenentwicklung für den Outdoor-Tourismusbereich umgemünzt. Die ersten Prototypen, als Start- und Wegpunkte für die Seven Summits Stubai aufgestellt, machen mit ihrem Zaunlocheffekt neugierig auf das Bergpanorama. Präsentiert wurde der VISHOLO auf der Interalpin im April. Einige Stücke waren aber schon davor verkauft. Mit ein Grund, dass idee das Jahr 2015 da schon als gutes bezeichnen konnte, Massimo sich aber auch bewusst: „Ohne die Beteiligung der Adlerrunde wären wir vielleicht immer noch eine Garagenfirma.“
 

Idee GmbH


Dieser Beitrag ist im April 2015 auch im Tätigkeitsbericht der Standortagentur Tirol erschienen.

 

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