Foto: Andreas Friedle

Frühes Kapital

Harald Oberrauch: "Bei Start-ups steige ich bewusst in der Early-Stage-Phase ein."

Kurze Wege und Motivation

Harald Oberrauch über die eheähnliche Beziehung von Business Angel und Start-up sowie Gründe, von Innsbruck aus als Business Angel aktiv zu sein.

Warum haben Sie im September 2014 die Tyrolean Business Angel GmbH gegründet?

Harald Oberrauch: Business Angel hat sich sicherlich zu einem Modewort entwickelt, bei uns – in der Euregio – ist dieser Boom Neuland, in anderen Staaten wie Israel gibt es Business Angels schon seit 20 Jahren. Ich selbst habe die GmbH gegründet, weil ich mich professionell aufstellen wollte und nicht nebenher.

Warum ist der Firmensitz in Innsbruck?

Oberrauch: In Nordtirol ist das Umfeld von den Institutionen her z.B. mit der Standortagentur Tirol besser aufgestellt als in Südtirol. Es ist – gegenüber Italien – eine Rechtssicherheit gegeben. Die Wege sind extrem kurz, die Menschen sind motiviert. Und das Start-up-Feeling ist schon ausgeprägter als in Südtirol – dort ist noch wenig da, auch von Seiten der Institutionen. Ich möchte aber hinzufügen, dass seit dem Amtsantritt von Landeshauptmann Arno Kompatscher vieles in die richtige Richtung geht und ich deshalb optimistisch in die Südtiroler Zukunft blicke.

Spielt das universitäre Umfeld eine Rolle?

Oberrauch: Absolut. Ich habe mich auf B2B-Business, Umwelt- und Energietechnik, Software, Medizintechnik und Life Sciences spezialisiert. Bei den zwei letzteren ist die Uni immens wichtig, auch der Cluster Life Sciences Tirol ist sehr gut besetzt. Daher macht die Überlegung, sich hier anzusiedeln, Sinn.

Medizin-Themen benötigen einen sehr langen Atem.

Oberrauch: Ich führe mit Durst, dem Hersteller für industrielle Inkjet- Drucker, und der im Automotivsektor tätigen Alupress zwei Familienunternehmen. Als Familienunternehmen bin ich es gewohnt, extrem langfristig zu denken, lange Projekte schrecken mich daher nicht ab. Es ist sicher auch eine Mentalitätssache, ich bin nicht als Venture Capitalist getrieben, sondern investiere eigen verdientes Geld.

Worauf soll ein Angel Investor bei Investments achten?

Oberrauch: Auf alles ein Bisschen. Bei einem Start-up schaue ich mir den Markt an, die Technologie, das Business-Modell und die Personen, wobei diese an erster Stelle stehen. Ich steige bewusst in der Garage, in der Early-early-Stage-Phase ein. Ich versuche, dem Erfinder den bürokratischen Aufwand abzunehmen – das weiß ein Erfinder oft nicht, ist auch nicht seine Aufgabe. Dann geht es um strategische Unterstützung, soll es in diese oder jene Richtung gehen.

Was ist für ein Start-up in der Business-Angel-Szene wichtig?

Oberrauch: Den richtigen Partner zu finden, ist ausschlaggebend. Daher ist das Bauchgefühl wichtig.

Das klingt wie bei einer Ehe?

Oberrauch: Es ist eine Ehe, die natürlich auch scheitern kann, wenn man sich den falschen Partner ausgesucht hat.

Mit dem Innsbrucker Medizintechnik-Start-up HeaRT von adventureX-Sieger Johannes Holfeld haben Sie einen neuen Partner gefunden.

Oberrauch: Ja, mir gefallen die Personen und das Projekt.


Zur Person: Harald Oberrauch steht in dritter Generation an der Unternehmensspitze der Firma Durst Phototechnik und engagiert sich als Business Angel für den Erfolg des innovativen, unternehmerischen Nachwuchses.


Dieser Beitrag ist erstmals im „Standort Tirol“, den Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol, Ausgabe Nr. 27, 01/2016, erschienen. Die gesamte Ausgabe lesen Sie hier.


 

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