Foto: Andreas Friedle

Kühle Hülle, heißer Kern

Umspannwerk Mitte: Unter Koordination der IKB-Mitarbeiter Bernhard Hupfauf und Marco Casotti zur Heizung "ausgebaut".

Sehr viel mehr als heiße Luft

Die Abwärme des Umspannwerks Mitte, das in Innsbruck die Stromversorgung sichert, deckt seit Kurzem den Heizbedarf der IKB-Zentrale fast zur Gänze.

Wohl so mancher Fußgänger, der von der Salurner Straße die Notburga-Klammer-Gasse Richtung Heiliggeiststraße geschlendert ist, mag sich gefragt haben, was sich hinter dem meterhohen und -langen Quader aus schwarzem Basalt verbirgt. Das Umspannwerk Mitte, das die Stromversorgung der Innsbrucker Innenstadt sichert, war bislang die Antwort, seit Kurzem kann sie mit „Und zudem die Heizung des IKB-Gebäudes“ ergänzt werden.

„Die grundsätzliche Idee, bestehende Infrastruktur für andere Zwecke mitzubenutzen, besteht schon seit Längerem“, sagt Marco Casotti, Leiter des Innovationsmanagements bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB). Prinzipiell ins Auge fasste man dabei die Abwärmenutzung der unternehmenseigenen Trafoanlagen, konkret jene des Umspannwerks Mitte, „als die Heizung in der IKB-Zentrale am Ende ihrer Lebensdauer war“, erzählt Bernhard Hupfauf, IKB-Geschäftsbereichsleiter Zentrale Services. Passend zu den Zielen des EU-Projekts Sinfonia, in Innsbruck und Bozen durch hochqualitative Sanierungen und innovative Energiekonzepte den Energiebedarf um 50 Prozent und den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu senken sowie den Anteil an erneuerbaren Energien um 30 Prozent zu heben, überlegte man, wie man in Zukunft statt zu 100 Prozent mit Gas auch mit Abwärme heizen könnte. „Wir überlegten, den Ölkreis, der den Trafo kühlt, anzuzapfen und diese Wärme zu nutzen“, erinnert sich Casotti – was sich als schwer, wenn überhaupt umsetzbar herausstellte. Die nächste Idee, nämlich die Abstrahlwärme des Trafos aus der Raumluft „einzufangen“ und mittels Luft-Wasser-Wärmepumpe als „Heizmittel“ zu verwenden, war aber umsetzbar. Man habe sogar noch eins „draufgesetzt“, lacht Casotti, und beziehe die Umweltwärme der Außenluft mit ein. Notwendig war dafür eine intelligente Steuerung der Jalousieklappen im Traforaum, über welche die Luftströme zwischen Außenluft und Trafoabwärme gesteuert werden. „Voraussetzung war natürlich der gesicherte Betrieb des Trafos, keine Überhitzung und keine Effizienzverluste. Diese Herausforderungen haben wir erfolgreich gemeistert. Dabei hat uns die gute Zusammenarbeit mit dem Strombereich genützt“, berichtet Hupfauf. Zwei Monitoring-Monate hat die neue Heizung hinter sich, 80 Prozent des Heizbedarfs in der IKB-Zentrale wurden von der Wärmepumpe abgedeckt (Hupfauf: „Ursprünglich dachten wir an 50 Prozent.“).

Im Prinzip, so Hupfauf und Casotti, sei das Modell auch mit anderen Trafoanlagen umsetzbar, notwendig wären aber sicherlich ein Abnehmer in der Nähe eines Umspannwerks und die Verfügungsgewalt über die Trafos. Für die IKB ist das „Heizen mit Abwärme“-Projekt ein weiteres Vorhaben, das neben dem Austausch der Blockheizkraftwerke und der Errichtung des neuen Holzkraftwerks am Areal der Kläranlage in der Roßau im Rahmen von Sinfonia umgesetzt wurde. Im Entstehen ist nun ein Smart-District in der Roßau: Am dortigen IKB-Areal werden alle Gebäude strom- und wärmetechnisch intelligent vernetzt.


IKB

EU-Projekt Sinfonia

 

Dieser Beitrag ist erstmals in der Ausgabe Nr. 29, 02/2017, des „Standort Tirol“. erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

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