Foto: Andreas Friedle

Erster Punkt Innovation

Jürg Meier: "Ist eine Idee auch so gut, dass es sich lohnt, Geld daran zu verlieren?"

Der Zeitfaktor wird unterschätzt

Jürg Meier blickt auf eine jahrelange Erfahrung in der Pharmaforschung zurück, an seiner Wahlheimat Tirol schätzt er auch den Biotech-Standort.

Als Leiter des Novartis Venture Funds waren von 1998 bis 2006 Start-ups Ihr Hauptaufgabengebiet. Welche Kriterien waren bei Beteiligungen ausschlaggebend?

Jürg Meier: Der erste Punkt, auf den wir geachtet haben, war die Innovation. Dazu habe ich immer gesagt: Ist die Idee auch so gut, dass es sich lohnt, Geld daran zu verlieren? Bei guten Ideen ist es ja so: Entweder es geht, und wir werden alle reich, oder es geht nicht, und wir haben daraus gelernt. Punkt zwei sind die Leute: Traut man ihnen das zu, haben sie Motivation und Begeisterung.

Wie schaut Ihre Bilanz beim Venture Funds aus?

Meier: Wir haben über 100 Firmen gegründet, auch größere, die später an die Börse gegangen sind. Andere wurden von großen Unternehmen gekauft. Solche Firmenverkäufe sind in dem Sinne schön, dass Cash ausbezahlt und geteilt wird. Denn in der Biotechnologie wird der Zeitfaktor oft unterschätzt: Ich war lange Chairman bei Polyphor, die mit ihrem ersten neuen Antibiotikum nun in der Phase III sind – und 2016 ihr zwanzigjähriges Firmenjubiläum hatten.

Sehen Sie bei Start-ups österreichische Besonderheiten?

Meier: In Österreich ist der Faktor Förderungen sehr stark ausgeprägt, für Gründer, die so ihre Firmenanteile behalten können, natürlich sehr gut. Business Angels hingegen haben den Vorteil, dass sie ihr Know-how und Netzwerk einbringen. Ich weiß z.B., wer bei Novartis für welche Frage der richtige Ansprechpartner ist.

Sie haben 2014 bei adventure X Florian Föger kennengelernt, heute sind Sie Investor bei seinem Unternehmen Cyprumed. Was hat Sie an seiner Idee gereizt?

Meier: Ich habe damals im Halbdunkel des Congresssaals die zehn Firmenbeschreibungen durchgelesen – und mir war klar, dass nur Florian Föger mit seinem Konzept, Proteine und Peptide oral einnehmbar machen zu können, gewinnen kann. An dieser Fragestellung haben wir vor 40 Jahren, damals in der Biopharmazie der Sandoz, gearbeitet und keine Lösung gefunden.

Wie ist der Stand bei Cyprumed?

Meier: Die Technologie ist in Europa patentiert, Ende des Jahres soll die erste klinische Phase-1-Studie starten. Zudem gibt es mit drei großen Pharmafirmen Verträge für Machbarkeitsstudien, die mit der Cyprumed-Technologie eigene Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar machen wollen.

Sie waren bei Sandoz und Novartis weltweit unterwegs. Wie präsentiert sich der Biotech- Standort Tirol durch die internationale Brille?

Meier: Ich kann ihn nur in hohen Tönen loben. Es gibt eine Struktur, die nicht überdimensioniert ist. Es gibt Beziehungen, von Cyprumed etwa zum Pharmazeutischen Institut, wo man schnell etwas machen kann oder Hilfe bekommt – ohne große Bürokratie. Ähnlich läuft es über die Standortagentur Tirol, über die Kontakte vermittelt werden.

Und inhaltlich?

Meier: Von den Unis kommt im Biotech- Bereich viel, es gibt eine Biologie, Chemie, Pharmazie etc. Ich zähle auch das MCI dazu. Das ist ideal, fast schweizerisch, die Vermischung von Ausbildung und Unternehmertum.

 

Dieser Beitrag ist soeben im „Standort Tirol“, Ausgabe 03/2017, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

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