Die Oberländer Brückenbauer

Vor zehn Jahren verließen die ersten Stahlteile für eine Hängebrücke die Halle von Falkner Maschinenbau, heute sind die Roppener gefragte Brückenspezialisten.

"Mein Vater hat 1955 als Wagenschmied angefangen“, erzählt Christa Hörburger- Falkner. Das Unternehmen konzentrierte sich auf Maschinenbau, entwickelte und patentierte eigene Produkte (Seilwinde, Zerkleinerungsmaschine, Brikettierpresse, Schotterreinigungsmaschine). Aber auch Stahlbau war dabei, für die Pitztaler HTB Bau etwa Schneezäune für deren Pistensicherungen. „Vor rund zehn Jahren“, erinnert sich Peter Hörburger, „ist HTB an uns herangetreten, ob wir nicht den Stahlbau für eine Hängebrücke machen könnten.“ Falkner Maschinenbau konnte, der Feuerstein war der Eintritt ins Brückengeschäft, Nummer 2 war schon in Bad Gastein. „Die Hängebrücke am Stubnerkogel war eine große Herausforderung“, sagt das Ehepaar, die 138 Meter Länge zudem spektakulär. Peanuts zu heute. Im Mai 2017 wurde über dem deutschen Rappbodetal mit der TitanRT die (damals) längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt eröffnet – mit starker Tiroler Beteiligung. Generalunternehmer war HTB, die Statik lieferte das Innsbrucker Ingenieurbüro Aste-Weissteiner, die Geotechnik kam von Bernhard Wietek aus Sistrans, der Stahlbau von Falkner. Im Prinzip wäre das System der Brücke immer dasselbe, meint Peter Hörburger, nur die Dimensionen ändern sich. Im Rappbodetal kam aber eine Herausforderung dazu, in der Mitte der Fußgängerbrücke – insgesamt 483 Meter lang, davon 458,5 Meter als frei hängendes Teilstück – wurde ein Absprungturm für einen Gigaswing unten angehängt. „Eine Neuheit“, hält Hörburger fest.


Als Hängebrückenbauer sei man mit HTB inzwischen ein eingespieltes Team, dazu kommen noch spektakuläre Stege und Aussichtsplattformen wie der Alpspix über Garmisch („Hat sich durch die Besucheranzahl in einem Jahr amortisiert.“) oder die „Treppe ins Nichts“ am Dachstein („Eine Wahnsinnsherausforderung.“). In der Zwischenzeit macht der Brückenbau ein Drittel des Geschäfts des 24-Mitarbeiter-Betriebs aus, notwendig sei, so Hörburger, ein hohes Fertigungsniveau, dass das Roppener Unternehmen alle entsprechenden ÖNORM-Qualitätskriterien erfüllt, garantiert dieses Niveau. „Trotzdem“, lacht Christa Hörburger- Falkner, „würde mein Vater die Haare aufstellen, wenn er sieht, dass wir Brücken bauen.“ Man muss aber offen für Neues sein, ist die Unternehmerin überzeugt. Und dass mit der nächsten Brücke Neues auf sie zukommt, ebenfalls.


Falkner Maschinenbau


Dieser Beitrag ist soeben in der Ausgabe Nr. 30, 03/2017, des „Standort Tirol“. erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

 

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