Foto: Andreas Friedle

Automatisierte Robotik - ganz indviduell

Swarovski-Hermle-Kooperation: v.li. Thomas Unterlechner (Director Machine & Plant Construction), Jürgen Wildauer (Head of Machineshop), Florian König (Hermle-Vertrieb Österreich), Johann Hintner (Vice President Mechanical Engineering)

Automatisch voll ausgelastet

Der Maschinenbau bei Swarovski wird von dem Unternehmen selbst übernommen. Zusammengearbeitet wird mit dem deutschen Fräsmaschinen-Spezialisten Hermle.

Wir sind“, erzählt Thomas Unterlechner nicht ohne Stolz, „einer der größten Maschinenbauer Tirols.“ Der Stolz ist ob 200 Mitarbeitern und der Halle mit zahlreichen Anlagen inklusive einem roboterunterstützten 5-Achs-Bearbeitungszentrum verständlich, überraschend ist das Unternehmen, für das Unterlechner als Director Machine & Plant Construction tätig ist – Swarovski. „Wir fertigen die Maschinen, die wir im Produktionsbereich benötigen, selbst“, bestätigt Johann Hintner, Vice President Mechanical Engineering bei Swarovski. Einerseits steckt in den Spezialmaschinen von Swarovski viel schützenwertes Knowhow, „außerdem“, sagt Hintner, „können wir so Ersatzteile vor Ort schnell und mit der notwendigen Qualität herstellen.“ Seit einem Jahr sogar noch schneller und effizienter, kombiniert doch das neue Fräs-Prunkstück der Wattener Maschinenbauer die Vorteile automatisierter Robotik und individueller Fertigung.


„Normalerweise setzt man bei hohen Stückzahlen auf vollautomatisierte Lösungen“, weiß Unterlechner, seine Abteilung suchte aber nach einer Lösung für kleine Stückzahlen – oft sogar für Einzelteile. Als Ansprechpartner fand man den deutschen Fräsmaschinen-Spezialisten Hermle, die langjährige Zusammenarbeit war bei der Problemlösung ein Vorteil, erläutert Florian König, Hermle-Vertriebsleiter für Österreich. „Eine Anlage ‚von der Stange‘ zu liefern, ist nicht das Problem. Damit sie aber genau den Wünschen und Anforderungen des Kunden entspricht, braucht es dessen Know-how im Hintergrund“, sagt König. Schließlich nütze es nichts, wenn eine millionenschwere Anlage in der Halle steht, die aber nicht mit genügend Fräsmaterial beliefert werde. Diese Hintergrundarbeit wurde im Vorfeld – auch durch die SAP-Integration der Maschinenbau-Abteilung – erledigt, der Roboter in der Hermle-Anlage rackert sieben Tage in der Woche 24 Stunden lang und sorgt für Nachschub bzw. Ersatzmaterial im Anlagenbereich und sichert somit eine durchgehende Produktion.
 

Dass dem Roboter nicht die Arbeit ausgeht und es zu keinen kostenintensiven Stehzeiten kommt, liegt aber immer noch in menschlicher Hand bzw im Kopf. Bei Swarovski ist dieser „Head of Machine“ Jürgen Wildauer, ein Mitarbeiter Marke Eigenbau – vom Lehrling zum MCI Master –, der sich um die Anlage kümmert, seine Herausforderung sei es, so Wildauer, dafür zu sorgen, dass die Fräsanlage optimal ausgelastet ist. Zu dieser optimalen Auslastung zählt unter anderem die zeitgerechte Herstellung von Ersatzteilen für die Produktionsanlagen. „Noch“, berichtet Johann Hintner, „erfolgt die Bestellung von Ersatzteilen durch unsere Mitarbeiter, eine intelligente Vernetzung der Produktionsmaschinen in die Maschinenbauabteilung, damit diese ihre notwendigen Ersatzteile selbst bestellen, wäre aber schon möglich.“ Eine selbstständige Zulieferung via Automated Guided Vehicles wie in der Fabrik der Zukunft dürfte am weitläufigen historischen Werksgelände von Swarovski allerdings noch entfernte Zukunftsmusik sein.


Swarovski

Hermle


Dieser Beitrag ist auch im „Standort Tirol“, Ausgabe 02/2017, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

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