Foto: Andreas Friedle

Kooperativ

Ulrich Lausecker: "Kooperationen mit Unis sind für uns definitiv ein Muss."

"Der Markt ist die Welt"

Für Plansee-Geschäftsführer Ulrich Lausecker ist der Standort ein unglaubliches Verkaufsargument. Mit welchen Werten und Strategien die Plansee Group den Weltmarkt für Produkte aus Molybdän und Wolfram anführt, verrät er im Interview.


Sie kamen 1997 nach Ihrem Studium zu Ceratizit – war es Liebe auf den ersten Blick?

Ulrich Lausecker: Nicht wirklich. Ich bin einer von unzähligen Fällen im Unternehmen, die sich gedacht haben: „Für drei Jahre kann ich das machen“ Man ist dann aber sehr schnell begeistert, wenn man feststellt, wie global Ceratizit bzw. Plansee aufgestellt sind und welch interessantes Betätigungsfeld geboten wird. Zudem kann man international tätig sein – und das in einem absoluten Naturjuwel. Insofern: Total verliebt auf den zweiten Blick.

Arbeiten in einem Naturjuwel hat Vor- und Nachteile. Wie schaut das für Plansee aus?

Lausecker: Der Standort ist ein unglaubliches Verkaufsargument. Bringt man Kunden ins Außerfern, sind diese restlos begeistert, sehen Natur, Natur, Natur. Wir haben auch den Vorteil, dass Arbeitskräfte aus der Region bzw. Mitarbeiter, die sich bewusst für uns entscheiden, sehr gerne hier sind – die „Verweildauer“ unserer Mitarbeiter liegt im Schnitt bei über 16 Jahren.

Und abseits der Natur?

Lausecker: Kein Vorteil, wo auch kein Nachteil: Wer sich nicht bewusst für uns entscheidet, hat manchmal auch Schwierigkeiten mit der Region. Zudem ist der Verkehr ein Dauerbrenner, da muss etwas passieren, nicht nur wegen des Fernpasses, auch wegen des Umwegverkehrs. Und durch den starken Wirtschaftsraum im Allgäu haben wir einen erheblichen Wettbewerb um Arbeitskräfte. Gerade in einer wirtschaftlich guten Zeit wie jetzt sind die Schwierigkeiten groß, Fachkräfte ins Außerfern zu bekommen.

Diskutiert wird daher über eine IT-HTL in Reutte.

Lausecker: Das wird vom Unternehmen unterstützt, auch weil Digitalisierung für uns ein großes Thema ist. Es ist nur die Frage, ob es Sinn macht, eine eigene Schule zu gründen – vielleicht gibt es die Möglichkeit, einen schulischen Zweig aufzubauen.

Trotzdem behauptet Plansee seine internationale Stellung von Tirol aus?

Lausecker: Einer unserer Werte lautet „Die Wurzeln in Tirol, der Markt ist die Welt“. Österreich, Tirol und das Außerfern sind nicht unbedingt ein billiger Standort. Dennoch sind wir mit den Möglichkeiten vor Ort, mit der Qualifikation der Mitarbeiter und den Chancen der Automatisierung absolut wettbewerbsfähig. Im internationalen Vergleich können wir somit vom Standort aus konkurrenzfähig operieren und sind nach wie vor Weltmarktführer.

Wie schaut es mit universitären Kooperationen aus?

Lausecker: Das ist ein absolutes Muss, egal ob in Österreich – mit der Universität Innsbruck, mit der Montanuniversität Leoben oder der Technischen Universität Graz –, in Deutschland oder mit anderen Partnern. Und wir holen uns die Forscher ins Außerfern.

Wie das?

Lausecker: Mit dem Plansee Seminar, einer weltweit anerkannten Konferenz im Bereich der Pulvermetallurgie. Ein Event mit extrem hohem wissenschaftlichem Niveau, zu dem sich alle vier Jahre für eine Woche rund 500 Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Reutte treffen.

Inwieweit docken Sie bei Forschungsförderungen an?

Lausecker: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der FFG, mit dem Land Tirol und der Standortagentur Tirol. EU-Förderprogramme sind wegen des administrativen Aufwands schwierig. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, ja, wir würden aber nie ein EU-Forschungsprojekt wegen der Förderung ins Leben rufen. Das ist zu viel Aufwand.

 

Zur Plansee Group:
Die Plansee Group agiert als weltweit tätiges Hightech-Unternehmen von Reutte aus. Die Plansee Group gliedert sich in drei Unternehmensbereiche (Plansee, Ceratizit und Global Tungsten & Powders) und hält eine Beteiligung am chilenischen Molybdänverarbeiter Molymet. Mit ihren Unternehmen und Beteiligungen deckt sie alle Herstellungs- und Verarbeitungsstufen der Refraktärmetalle Molybdän und Wolfram ab.Weltweit beschäftigt die Plansee Group rund 6.400 Mitarbeiter, 2.300 davon in Tirol. Ulrich Lausecker ist seit Oktober 2016 Mitglied der Geschäftsführung von Plansee. Seine Karriere in der Plansee Group startete der gebürtige Niederösterreicher 1997 als Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst bei Ceratizit.

 

Link: www.plansee.com

 

Dieser Beitrag ist soeben im „Standort Tirol“, Ausgabe 01/2018, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

 

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