Foto: Neue Heimat Tirol

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Leistbare Energieeffizienz

Die Fünf-Euro-Wohnanlage in Schwaz ist ein österreichweites Vorzeigeprojekt. Für die Realisierung wurde an der Baukostenschraube gedreht und auf vieles verzichtet, allerdings nicht auf den Passivhausstandard.

Oft ist es von Vorteil, wenn man etwas in der Hinterhand hat. Als Anfang 2016 Wohnbaulandesrat Johannes Tratter vom Ziel sprach, Wohnungen mi einer Fünf-Euro-Miete pro Quadratmeter zu schaffen, und die gemeinnützigen Bauträger aufgefordert wurden, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, hatte die Neue Heimat Tirol (NHT) ein Basiskonzept in der Schublade. „Schon im Jahr 2015 gab es eine Enquete zum Thema ‚New Start Home‘. Mit dem in Wien lebenden Tiroler Architekten Georg Driendl wurde danach ein Konzept entwickelt“, erinnert sich NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner. Driendls Reduktions-Konzept verzichtet auf Unterkellerung und Tiefgarage, es gibt nur (wenige) Stellplätze im Freien. Der Keller „wanderte“ samt Abteilen, Technik-, Wasch- und Trockenraum sowie Abstellflächen ins Erdgeschoß, der E+3-Geschoße- Bau sieht auch keine Balkone vor. „Ein Tiefgaragenplatz erhöht die Miete um rund einen Euro, ein Balkon um etwa 50 Cent pro Quadratmeter im Monat“, rechnet Gschwentner vor.


Doch es fand sich keine Gemeinde, die das Konzept realisieren wollte. Als es 2016 um den Fünf-Euro-Wohnbau ging, war damit aber die Vorarbeit geleistet: Ein zentrales Stiegenhaus mit offenen Ver- und Entsorgungsleitungen, einfache Grundrisse der Wohnungen mit kurzen Wegen für Zu- und Ableitungen, französische Balkone und große Fensterflächen. Keinen Kompromiss gab es bei einem NHT-Grundsatz, dem Passivhausstandard. „Neben Energieeffizienz und geringeren Heizkosten hat es für uns als Bewirtschafter den Vorteil der Lüftungsanlage, die Schimmelbildung verhindert“, erklärt Gschwentner, räumt aber auch ein, dass die Passivhaus-Direktförderung in Tirol die Mehrkosten ausgleicht.


Doch die Baukosten-Reduzierung allein ergab noch keine fünf Euro. Das Land Tirol erhöhte daher die Wohnbauförderung für solche Projekte, stellte dafür aber auch Bedingungen. Gschwentner: „15 Prozent der Wohnungen werden vom Land vergeben, die Einkommensobergrenzen zukünftiger Mieter wurden herabgesetzt.“ Als Hans Lintner, Bürgermeister von Schwaz, sich mit dem Wunsch eines Neubaus auf dem Gelände der alten Südtiroler Siedlung an die NHT wandte, sah man die Chance der Umsetzung. Für die von Lintner gewünschten Balkone kam Schwaz der NHT beim Baurecht entgegen, im März 2017 war die Anlage mit 18 Wohnungen fertig. Die Startmiete inklusive Heiz- und Betriebskosten beläuft sich auf die angepeilten fünf Euro. „Bei anderen Neubauten in Tirol liegt die Miete im Schnitt zwischen acht und neun Euro“, nennt Gschwentner eine Vergleichszahl. Drei Projekte in Umhausen, Baumkirchen und Haiming befinden sich in der Pipeline, die Fünf-Euro-Passivhausanlage macht aber auch national und international auf sich aufmerksam – für Politiker und Bauträger ist die neue Freiheitssiedlung eine „Touristenattraktion“ geworden.

 

Link: www.nht.at

 

Dieser Beitrag ist auch im „Standort Tirol“, Ausgabe 01/2018, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.


 

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