Foto: Andreas Friedle

Intelligente Daten

Michael Bredehorn und Georg Westner (v.li.) arbeiten für Swarco an einem Prototyp - Kameras in Bussen sollen z.B. Infos über die Auslastung generieren.

Datenverarbeitung an der Edge

Michael Bredehorn und Georg Westner setzen mit ihrem Start-up Swarm Analytics auf visuelle Quellen: Sie wollen dumme Überwachungskameras intelligenter machen und Bilddaten schon in der Kamera auswerten.

Mit Swarm Analytics wollen wir dumme Überwachungskameras und andere visuelle Quellen intelligenter machen.“ – nicht ohne Selbstbewusstsein beschreiben Georg Westner und Michael Bredehorn die Ziele ihres Start-ups, das sie Anfang 2018 aus der Taufe gehoben haben. Im Laufe ihres Studiums an der FH Kufstein Tirol beschäftigten sich die zwei mit künstlicher Intelligenz und mit Machine Learning, speziell visuelle Quellen hatten es ihnen angetan. „Derzeit liefern Kameras Bilder via Internet auf große Server oder in die Cloud. Da es sich aber um Bilddaten von Menschen handelt, hat man schnell ein Privacy-Problem“, hält Bredehorn fest. Das zweite Problem sind die riesigen Datenmengen, die anfallen und verarbeitet werden müssen – teures Equipment und lange Wartezeiten sind die Konsequenz. Der Ansatz, den Bredehorn und Westner verfolgen, umschifft beide Problemstellungen. „Wir verlagern alles in den Edge-Bereich“, sagt Westner. Dezentrale Datenverarbeitung an der Edge (englisch für Rand, Kante) also, im Fall von Swarm Analytics ist die Edge die Kamera. Die Auswertung der Bilddaten findet in der Kamera statt, übertragen werden nur noch die Ergebnisse bzw. die Interpretation der Daten, „somit haben wir kein Problem mit dem Datenschutz und keine großen Datenmengen“, erklären Westner und Bredehorn.


Als „Einsatzgebiet“ wählten die Jungunternehmer den Verkehr und und testeten ihr Konzept im Rahmen eines Verkehrsüberwachungsprojekts in der Stadt Kufstein, ehe sie sich mehreren Start-up-Castings (unter anderem Platz 1 beim Euregio- Finale der 120 Sekunden Chance, Sieg beim Tirol-Finale des Geschäftsmodellwettbewerbs adventure X) stellten. Mit ihren Auftritten und ihrem Konzept weckten Westner und Bredehorn das Interesse von Swarco. Der Konzern (85 Firmen) mit Stammsitz in Wattens ist als Ampelhersteller Weltmarktführer und hat bei Straßenmarkierungen, Wechselverkehrszeichen, Straßenbeleuchtung und Verkehrsmanagementsystemen eine führende Position. Für Swarco wollen die zwei nun Kameras in Bussen anzapfen, um Informationen über Fahrgastaufkommen und Auslastung zu generieren. Dafür entwickeln sie eine Internetof-Things-Plattform, mit deren Hilfe auf die Auswertungsergebnisse aller Bilddaten einer Swarco-Flotte gleichzeitig in Echtzeit zugegriffen werden kann. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob der Bus voll ist, sondern auch um wertvolle Zusatzinfos: Wann steigen viele Menschen mit Gepäckstücken ein? In welche Linien steigen viele Eltern mit Kinderwägen ein? „Diese Ergebnisse wollen wir bereitstellen, damit mit dem besseren Wissen über Fahrgastströme strategische Entscheidungen getroffen werden können“, sagt Westner.


Fahrgastaufkommen sei aber nur ein Einsatzgebiet im Verkehr, im Kopf haben die zwei Gründer schon Verkehrsfluss und Ampelschaltung, aber auch andere Bereiche wie Infrastruktur oder Security: „Einerseits ist das eine Ressourcenfrage, andererseits muss die Basistechnologie stehen.“ Mit Swarco soll 2018 das erste Pilot-Projekt umgesetzt werden, finanzieren will man sich so lange auch mit öffentlichen Förderungen, um sich 2019 mit einem fertigen Produkt Investoren präsentieren zu können.

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