Foto: Andreas Friedle

Semantikprofis

Alexander Wahler: "Wir müssen die Daten von Firmen so aufbereiten, dass sie mit natürlicher Sprache in Dialogführung kommuniziert werden können."

"Es ist ganz einfach bequem"

Alexander Wahler, CEO des Tiroler IT-Unternehmens Onlim, im Gepräch über Chatbots, Sprachassistenten und sprachbasierte Services, die Suche nach präzisen Antworten und Siris Probleme mit dem Schweizerischen.

Sind wir Menschen so schreibfaul, dass es sprachbasierte Services benötigt?

Alexander Wahler: Vielleicht nicht schreibfaul, es ist aber ganz einfach bequem. Wir sind Tippen und Listen aus 30 Jahren Internet gewohnt, wir bewegen uns von Klick zu Klick. Mit Voice läuft das anders ab. Ich habe eine Frage, wird sie verstanden, bekomme ich meine Antwort retour. Das spart viel Zeit und macht für viele Anwendungen Sinn.

Wo macht es Sinn?

Wahler: Bei Anwendungen, die schon jetzt über Telefon gut laufen bzw. wo man ganz konkret schneller ist, wenn es über Sprache abgewickelt wird. Wenn ich etwa eine bestimmte Webcam in meiner Urlaubsdestination suche – eine Frage, statt fünf Klicks. Aber auch Abfragen von Börsenkursen, Produktinformationen und dergleichen lassen sich sehr gut darstellen. Für die Zukunft gehen wir davon aus, dass wir komplexere Dialoge mit den Systemen führen können, aber auch Transaktionen und Buchungen durchführen werden.

Wie funktioniert Conversational Computing eigentlich?

Wahler: Einerseits muss das System die Sprache verstehen. Sprache versteht man aber erst dann, wenn man sie in einen Kontext setzen und semantisch verstehen kann. Wir zerlegen daher Sprache in einzelne Parameter. Auf der anderen Seite steht eine riesige Knowledge Base – aus diesem Wissen suchen wir die bestmögliche Antwort auf die Frage.

Können die Systeme selbst lernen?

Wahler: Man muss unterscheiden, wo Selbstlernfähigkeit gegeben ist. Man hat aktuell Selbstlernfähigkeit, was die Sprache an sich betrifft, wobei dies semiautomatisiert funktioniert, d.h. das Modell wird durch menschlichen Eingriff nachjustiert. Nicht bereitgestellte Informationen – z.B. über die Speisekarte eines Restaurants – kann das System aber nicht selbst lernen und soll sich diese auch nicht suchen. Der Kunde will keine Liste, aus der er aussuchen muss, sondern eine präzise Antwort auf seine Frage.

Was unterscheidet Onlim von anderen Unternehmen?

Wahler: Wir sind ein Technologieprovider, sprich, wir liefern eine Plattform, mit der Unternehmen all ihre Daten, Services und Dialoge managen können, die sie für Sprachassistenten und Chatbots benötigen.

Wo liegen die technologischen Schwerpunkte?

Wahler: Als Spin-Off der Universität Innsbruck haben wir jahrelange Erfahrung mit dem Bereich Semantik. Um Daten für menschliche Sprache verwenden zu können, muss man sie computerverständlich lesbar machen. Dafür bauen wir mit den Informationen unserer Kunden Wissensdatenbanken auf und verbinden diese mit deren Systemen. Durch unsere Multikanalfähigkeit können wir verschiedene Kanäle anbinden. Außerdem haben wir uns beim User Interface unserer Plattform auf Customer Service- und Marketing- Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen fokussiert und nicht auf Entwickler und Entwicklerinnen von Software. Einfaches Handling war und ist uns besonders wichtig – sowohl was die Erstellung der Inhalte als auch die Ausrichtung auf die unterschiedlichen Plattformen betrifft.

Wie gut verstehen dieSprachassistenten eigentlich Dialekt?

Wahler: Ich hatte noch keine Probleme. In einem Workshop war aber unlängst eine Schweizerin, sie meinte, weder Siri noch Google oder Amazon würden sie verstehen.


Link: www.onlim.com


Dieser Beitrag ist soeben im „Standort Tirol“, Ausgabe 03/2018, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

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