Foto: Andreas Friedle

Wasserstoff-Flotte im Aufbau

Ewald Perwög von MPREIS: "Die Elektrolyseanlage wird rund 1500 Kilo Wasserstoff pro Tag erzeugen."

Die Zukunft heißt Wasserstoff

Im Rahmen des EU-Projekts Demo4Grid plant MPREIS eine eigene Elektrolyseanlage, um mit dem selbst produzierten Wasserstoff die Öfen der Bäckerei zu heizen und die LKW-Flotte zu betanken.

Exakt 42 Fahrzeuge zählt die LKW-Flotte von MPREIS, die schweren Brummer verbrauchen rund zwei Millionen Liter Diesel im Jahr. Geht es nach den Plänen des Tiroler Familienunternehmens, sind die Tage des Diesels gezählt, die Zukunft heißt Wasserstoff. Ab 2020 sollen die ersten drei LKWs mittels Brennstoffzellen ihre Runden drehen, den notwendigen Wasserstoff will man selbst produzieren.

Single-Stack-Alkali-Druck-Elektrolyse-Anlage – hinter dem Wortungetüm verbirgt sich ein ehrgeiziger, aber auch ausgeklügelter Plan. „Elektrolyse ist nichts anderes als die Spaltung von Wasser mittels Strom in Wasserstoff und Sauerstoff“, erläutert Ewald Perwög, bei MPREIS verantwortlich für Sustainable Energy Solutions. Der gewonnene Wasserstoff der geplanten Anlage wird in Drucktanks zwischengelagert und danach thermisch verwertet. „Wir heizen damit die Öfen unserer Bäckerei und ersetzen fossiles Erdgas“, sagt Perwög, um sofort einzuräumen „das ginge natürlich auch einfacher, indem man direkt Strom in Wärme umwandelt“ und um postwendend zu erklären, warum doch Wasserstoff: „Wir wollen das Henne-Ei-Problem lösen.“

„Wir“ ist ein internationales Konsortium, das im EU-Projekt Demo4Grid die Anlage verwirklichen will. Die Elektrolysetechnik kommt aus der Schweiz, Software und Steuerung aus Spanien, koordiniert wird von Griechenland aus, dabei ist auch noch Fen-Systems aus Tirol. Das „Henne-Ei-Problem“ laut Perwög: mangelnde Investitionen in Wasserstoffproduktion aufgrund fehlender Abnehmer sowie mangelnde Investitionen in Wasserstoffnutzung aufgrund fehlender Anbieter. Bei dem Zwölf-Millionen-Euro-Projekt ist der Produzent MPREIS auch gleich der Abnehmer. Wasserstoff statt Erdgas hilft, den CO2-Ausstoß zu verringern, der Einsatz von günstigem Ökostrom ist ein weiterer Pluspunkt, da die Erzeugung des – speicherbaren – Wasserstoffs zeitunabhängig ist. „Eine Auflage der EU für das Projekt war, dass wir auch als möglicher Dienstleister für den Regelenergiemarkt zur Verfügung stehen“, spricht Perwög einen weiteren Benefit des Projekts an, kann doch mit Wasserstoff (zuviel) Strom aus erneuerbaren Energien zwischengespeichert werden: „Dadurch wird die Netzstabilität sichergestellt.“

Vorerst aber ist der Spatenstich für Herbst anvisiert, mit dem Projekt ist man auch Partner von Hyundai. Die Südkoreaner bringen 2019 Wasserstoff-LKWs auf den Markt, im zweiten Quartal 2020 kommen drei nach Tirol. Ein Jahr wird evaluiert, laufen sie zur Zufriedenheit, wird sukzessive die ganze Flotte umgestellt. 2025, spätestens 2027 sollten dann zwei Millionen Liter Diesel Geschichte sein.


Links:

https://www.demo4grid.eu/

MPREIS

 

Dieser Beitrag ist im „Standort Tirol“, Ausgabe Nr. 35, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

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