Ein Schub für die Mikrochirurgie

Das Innsbrucker Start-up BHS Technologies hat mehr Beweglichkeit und Visualisierungsmöglichkeiten bei minimalinvasiven Eingriffen im Visier.

Mehr als 15 Jahre waren Markus Hütter und Michael Santek in der Medizintechnik tätig, Markt, Kunden und Entwicklung sind ihnen daher vertraut: „In der Zeit konnten wir viel über Produktmanagement, Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung in dieser Branche lernen“, erklärt Hütter im Rückblick. All dieses Wissen wollten die zwei in etwas Eigenes einbringen, mit Santek war ein Entwickler im Team, der Technologien umsetzen kann. Hütter und Santek führten zahlreiche Gespräche, in denen ebenso viele Ideen gewälzt wurden. „Unser Ansatz bestand darin, in einem bestehenden Markt, in dem eine größere technologische Lücke besteht, ein Substitutionsprodukt zu bauen. Hier haben wir die Mikrochirurgie entdeckt“, erinnern sich Hütter und Santek. In den 1950er-Jahren entwickelte der deutsche HNO-Arzt Horst Ludwig Wullstein Operationsmikroskope für minimalinvasive Chirurgie, „für die Visualisierung werden aber noch immer analoge Systeme verwendet.“ Ein weiterer wichtiger Punkt, so Hütter, betrifft die gute Handhabbarkeit: „Um in diesem Markt eine gute Chance zu haben, bieten neue Kameratechnologie sowie Roboter ideale Voraussetzungen, um ein wirklich gutes Werkzeug zu bauen.“

Insofern war klar, dass es Kompetenz für Digitalisierung, Visualisierung und Mechatronik benötigt, mit Gregor Burger und Mark Capelli fand sich Anfang 2017 ein vierköpfiges Gründerteam. Die Idee aus Tirol überzeugte bei der aws (PreSeed und Seed-Förderung 2017 und 2018), bei der FFG (Basisprogramm 2017), beim internationalen Businessplan-Wettbewerb Best of Biotech (Sieger 2017), fand einen Investor (Lorea AG), vor allem aber neun Chirurgen, die den Prototyp einem intensiven Test unterzogen. Ein Jahr nach Firmengründung war BHS als medizintechnischer Produkthersteller zertifiziert, heute zählt man 13 Mitarbeiter, bis Ende des Jahres sollen es 20 sein. Als zweites Standbein bietet BHS sein Know-how Dritten an. Einige Projekte, Medizinprodukte marktreif zu machen bzw. Unternehmen so aufzustellen, dass sie Medizinprodukte herstellen können, hat das junge Unternehmen schon in der Pipeline. Die Konzentration gilt vorerst aber dem eigenen Produkt RoboticScope, das der Operationsmikroskopie einen gehörigen Schub Richtung Beweglichkeit und Visualisierungsmöglichkeiten geben soll. Das klappt unter anderem dadurch, dass ein 3D-Kamerasystem die Signale aufnimmt und an die Recheneinheit weiterleitet. Dann wird das Bild mittels Software in Echtzeit verarbeitet und an eine VR-Brille gespielt, die vom Chirurgen getragen wird. Im Jahr 2019 laufen weitere 30 Tests, 2020 dann soll der Produktverkauf in Europa starten. Einen neuen Standort hat BHS dazu in der Innsbrucker Valiergasse bezogen. Schließlich sollen 100 Geräte pro Jahr die Produktion verlassen und der Markteinstieg in den USA ist auch schon geplant.


BHS Technologies


Dieser Beitrag ist im „Standort Tirol“, Ausgabe Nr. 35, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

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