Foto: Andreas Friedle

Software-Vision für Wearables und Co.

Alexander Hörbst: "Wollen Modelle entwickeln, die IT-gestützte Dienstleistungen im Bereich Gesundheit und Tourismus anbieten."

Mit vielen Schritten zum Ziel

Der Medizininformatiker Alexander Hörbst arbeitet an der Vision von digitalen Gesundheitsdienstleistungen, den Kern bildet eine Software, die mit fundiertem Wissen über Gesundheit, Sport und Tourismus hinterlegt ist.


Die Vision ist eine große: Ist es möglich, Modelle zu entwickeln, die individuell zugeschnittene, IT-gestützte Dienstleistungen im Bereich Gesundheit und Tourismus anbieten? Was abstrakt klingt, veranschaulicht Alexander Hörbst, Leiter der Research Unit für eHealth und Innovation an der Privatuniversität UMIT, an einem (fiktiven) Beispiel. „Ein Mann geht in Deutschland zum Arzt und macht eine Ergometrie. Die Daten fließen in die Erstellung eines Trainingsprogramms für Schneeschuhwandern ein. Das Programm wird mit gecoachten Angeboten für Schneeschuhwandern gematcht, gleichzeitig wird nach Physiotherapeuten gesucht, da der Mann zu Hause in regelmäßiger Behandlung ist. Als Ergebnis scheinen zwei Destinationen auf, der Mann verbringt dort seinen Urlaub. Während des Schneeschuhwanderns werden Werte gemessen, von einem Arzt gecheckt, daraufhin das Trainingsprogramm adaptiert und um ein spezielles Ernährungsprogramm ergänzt, inklusive dem Hinweis, wer in der Region auf fundierter Basis dieses Essen anbietet.“ Für solch wissenschaftlich fundierte Gesundheitsdienstleistungen benötigt es einerseits viel Input von Experten, andererseits auch eine ausgeklügelte Software. Für das Projekt Onto-Health hat Hörbst so eine Software schon entwickelt, sie ist mit Wissen über Diabetes und Problemlösungsmustern hinterlegt und in der Lage, Lösungsprozesse zu liefern. Das Know-how aus dem Medizinprojekt möchte er nun in den Bereich Gesundheit-Tourismus-Sport übertragen. Ein Bereich, in dem zahlreiche Produkte wie Puls- oder Sportuhren und andere Wearables zu finden sind, „allerdings“, so Hörbst, „haben sie mit wissenschaftlich fundierter Leistung wenig zu tun.“

Seiner Vision nähern will sich der Forscher in Schritten, sprich in unterschiedlichen Projekten. Einerseits beschäftigt er sich mit Software als Medizinprodukt und deren Zertifizierung. „Bei vielen Produkten hat man bislang keine Garantie, was gemessen wird“, sagt Hörbst, dass man sich aber aus medizinischer Sicht auf Messergebnisse verlassen kann, ist eine Voraussetzung für seine Vision. Schritt 2 betrifft den Aufbau von Gesundheitssoftware, ein Aspekt ist die große Verteilung von Datenproduzenten, Datenverarbeitern und Sicherheit – womit Hörbst zum Thema Blockchain kommt, „eine Methode, Dinge nachvollziehbar sowie unfälschbar zu machen und die verteilt funktioniert“.

Einen weiteren Blockchainansatz verfolgt er in einem Projekt mit der Agrarmarketing Tirol und MPreis, konkret geht es dabei um Nachvollziehbarkeit, Ursprung, Inhaltsstoffe etc. von Lebensmitteln und dies unverfälscht, sicher und doch zugänglich zu dokumentieren. „Dieses fundierte Wissen über Nahrung kann wiederum mit Ernährungsprogrammen kombiniert werden.

Schritt 3 ist der Aufbau eines Netzwerks, „es braucht sehr viel Input von Experten und Qualitätskontrolle, inhaltliche Leistungen für mögliche Gesundheitspfade müssen genau definiert werden.“ Die ureigenste Aufgabe des eHealth-Spezialisten Hörbst ist der Aufbau des integrativen Modells und der IT, „ohne Know-how der Gesundheitsexperten, Touristiker und Mediziner kann es aber nicht mehr sein als eine leere Hülle“.


UMIT – Research Unit für eHealth und Innovation


Dieser Beitrag zur Arbeit eines Mitglieds im Cluster Life Sciences Tirol ist im „Standort Tirol“, Ausgabe Nr. 35, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol können Sie hier nachlesen.

 

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