Foto: Andreas Friedle

Vorsprung Fachkräfte

Carlos Lange: "Für die hohe Qualität unserer Fachkräfte werden wir weltweit beneidet."

Junge Firma mit viel Erfahrung

Carlos Lange, Präsident und CEO von INNIO, über die neue Dachmarke, den Standort Tirol, Digitalisierung im Unternehmen und zukünftige Entwicklungen.

Vor einem Jahre wur­den die beiden Marken Jenbacher und Waukesha unter der Dachmarke INNIO zusammengeführt. Wie ergänzen sich die beiden Marken?

Carlos Lange: INNIO ist eines der jüngsten Energieunternehmen der Welt, durch Jenbacher und Waukesha Technologien haben wir aber 90 Jahre Erfahrung und sind ein führender Anbieter von Gasmo­toren. Die beiden Marken werden aber unabhängig voneinander ge­führt, da sie am Markt sehr bekannt sind und unterschiedliche Kunden­segmente bedienen. Natürlich nut­zen wir Synergien – etwa in den Be­reichen Engineering, Finanzen, IT oder HR.

Wie unterscheiden sich Jenbacher und Waukesha?

Lange: INNIO Jenbacher konzen­triert sich überwiegend auf Strom­erzeugung und Kraft-Wärme-Koppe­lung, INNIO Waukesha überwiegend auf Gasverdichtung. Jenbacher hat seine Kunden vor allem im Gewerbe und in der Industrie, aber auch bei Stadtwerken oder in der Landwirt­schaft, was speziell im westeuropä­ischen Raum eine Rolle spielt.

Was bedeutet die Dach­marke für den Standort Jenbach?

Lange: Durch die Eigenständigkeit können wir viel agiler und flexibler agieren. Wir werden investieren, nicht nur am Standort, sondern insgesamt im Unternehmen, insbe­sondere in Kundennähe, Vertriebs­ausbau, Produktportfolio und Digi­talisierung. In den nächsten Jahren wird dies eine dreistellige Millionen­summe sein.

Digitalisierung ist ein weites Feld…

Lange: …stimmt. Einerseits geht es um interne Prozessabläufe, anderer­seits um die Anbindung der Kunden und Motoren. Wichtig sind dabei Predictive Analytics: Wie kann man durch das Abgreifen von Daten und Informationen erkennen, ob man z.B. an einem Motor Zündkerzen austauschen muss oder ein Service notwendig ist. Mit unseren heutigen Lösungen können wir über 60 Pro­zent der Servicefälle von der Ferne aus bedienen. Für den Kunden heißt das, dass wir Produktivität steigern, Stillstand minimieren und die Lauf­zeiten der Motoren erhöhen können – was wiederum zu mehr Kundenzu­friedenheit führt.

Wie „wohl“ fühlt sich INNIO Jenbacher in Tirol?

Lange: Sehr, das liegt an einigem, z.B. am Thema Fachkräfte. Vor Kurzem besuchte uns eine thailän­dische Delegation. Sie waren be­geistert über die Mitarbeiterquali­fikation am Standort. Für die hohe Qualität unserer Fachkräfte werden wir weltweit beneidet. Auf der an­deren Seite sind gut ausgebildete Fachkräfte rar, wir versuchen daher, sie gut aus- und weiterzubilden – wir haben z.B. rund 100 Lehrlinge – und sie auch zu behalten. Die Anbindung passt ebenso sehr gut, wir liegen zen­tral in Europa. Und dann höre ich immer wieder: Du arbeitest dort, wo andere Urlaub machen. Und ja, das ist auch ein Stück weit so.

Wie sind Ihre wirt­schaftlichen Erwartungen für die kommenden Jahre?

Lange: Über die letzten Jahre sind wir zweistellig gewachsen. Für 2020 erwarte ich, was Neuanlagen betrifft, dass es sich auf dem Niveau von 2019 einpendelt. Auf der anderen Seite steht der Bereich Service, in dem wir über die Jahre gewachsen sind und auch weiterwachsen wollen. Die Anzahl der Motoren im Feld haben wir in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt – und wir versuchen jeden Kunden bestens zu bedienen. Damit haben wir im Service ein stän­diges Wachstum.
 

Link: INNIO Jenbacher


Dieser Beitrag ist im aktuellen „Standort Tirol“, Ausgabe Nr. 37, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovationsland Tirol und Cluster Erneuerbare Energien Tirol können Sie hier nachlesen.

Zurück

Mehr zum Thema

Energie aus dem Fensterrand

Tiroler Sunplugged Photovoltaics entwickelt unsichtbare PV-Module für Fenster im EU-Projekt Solar-Win

Mehr erfahren

Ins weihnachtliche Licht gerückt

Mit Innovation und Digitalisierung sorgt MK Illumination weltweit alle Jahre wieder für schönsten Lichterglanz

Mehr erfahren

Den Imagevorteil Tirols nützen

Lebensraum Tirol Holding-Chef Josef Margreiter im Interview.

Mehr erfahren

Die Zukunft heißt Wasserstoff

Wasserstoff-Elektrolyseanlage soll bei MPREIS 2 Millionen Liter Diesel im Jahr sparen.

Mehr erfahren

Ein Schub für die Mikrochirurgie

Tiroler Start-up will Produktverkauf in Europa in 2020 starten

Mehr erfahren

Individuelle Coolness

Liebherr Lienz produziert Kühlgeräte ganz nach persönlichem Geschmack seiner Kunden.

Mehr erfahren

Mehr Licht für die weite Welt

Für sein perfektes Licht vernetzt der Tiroler Lichtpionier Bartenbach sich digital.

Mehr erfahren

"Es ist ganz einfach bequem"

Technologieprovider Alexander Wahler von Onlim im Interview zu smarten Sprachassistenten.

Mehr erfahren

Fischer im Metaboliten-Teich

Der Weg zur Routinediagnostik dürfte bei der Biocrates Life Sciences AG über die Börse führen.

Mehr erfahren

"Der Markt ist die Welt"

Plansee SE-Geschäftsführer Ulrich Lausecker über Wettbewerbsfähigkeit vom Naturjuwel Außerfern aus.

Mehr erfahren

Digitalisierung als große Chance

Edwin Meindl im Interview zum Thema Digitalisierung.

Mehr erfahren

Automatisch voll ausgelastet

Die Maschinen werden von Swarovski in Zusammenarbeit mit Hermle selbst erstellt.

Mehr erfahren

Die Oberländer Brückenbauer

Tiroler Stahl-Know-how fürs deutsche Rappbodetal.

Mehr erfahren

Der Zeitfaktor wird unterschätzt

Biotech-Investor und Wahltiroler Jürg Meier im Interview.

Mehr erfahren

"In Tirol liegen unsere Wurzeln"

Anton Seeber im Interview. Mit der Leitner AG ist er da daheim, wo Seilbahnen zu Hause sind.

Mehr erfahren

Perfekte Dichtheitskontrolle

Das Kirchbichler Start-up Single Use Support hat Big Pharma im Visier.

Mehr erfahren

Tirol als digitaler Reizfaktor

Attraktiver Heimmarkt inklusive verfügbaren Fachkräften für IKT-Profis.

Mehr erfahren