Foto: Andreas Friedle

Energie-Magie

"LSCs sammeln auch indirektes Licht ein, sie müssen daher nicht direkt von der Sonne bestrahlt werden", erklärt Andreas Zimmermann.

Energie aus dem Fensterrand

Im europäischen Verbund sollen Fenster entwickelt werden, die Sonnenlicht in Energie umwandeln. Der Clou an der Sache: Die PV-Module liegen unsichtbar am Rand der Scheibe, die Fenster bleiben transparent.

Sprachliche Magie verbreiten „lumineszierende Solarkonzentratoren“ nicht gerade viel, umso mehr optische Magie wohnt ihnen aber inne. Nicht nur, dass die kurz LSC genannten Kunststoffflächen den direkten und indirekten Anteil des Sonnenlichts einfangen können, sie können dieses auch noch auf kleine Flächen konzentrieren. „Und dort kann die Lichtenergie genutzt werden“, sagt Andreas Zimmermann, Geschäftsführer von Sunplugged. Das auf Photovoltaiklösungen spezialisierte Unternehmen ist Teil eines Konsortiums, das LSC nutzen will, um transparente Photovoltaikfenster zu entwickeln. „Das Sonnenlicht, das auf die LSC-Scheiben trifft, wird auf die Fensterränder abgeleitet, um es dort mit Solarzellen in elektrische Energie umzuwandeln“, erläutert Zimmermann das Vorhaben. Standardsolarzellen eignen sich nicht dafür, da sie a) zu groß, b) zu starr und c) nur aus Silizium bestehen.

Das niederländische Start-up Physee, das sich mit der Verbindung von Solarzellen, Glas und Elektronik beschäftigt, stieß daher auf seiner Suche nach einer passenden PV-Technologie auf Sunplugged, setzt doch das Zehn-Mann-Unternehmen aus Wildermieming auf – aus Kupfer, Indium, Gallium und Selen aufgebaute – CIGS-Solarzellen. „Wir können die Zusammensetzung dieser vier Elemente variieren und somit genau auf die LSC-Scheiben einstellen, um die besten optischen und elektronischen Eigenschaften zu gewinnen“, beschreibt Zimmermann Vorteil Nummer 1. Vorteil Nummer 2 ist eine weitere Sunplugged Kompetenz – die nur wenige Mikrometer dünnen CIGS-Solarzellen werden auf Kunststofffolien aufgebracht. „Sie sind daher am Fensterrand gut integrierbar, außerdem können wir sie sehr einfach unterschiedlichen geometrischen Bedingungen anpassen“, erklärt Zimmermann.

Der Tiroler nutzte seine Kontakte zum katalanischen Energieforschungsinstitut IREC, das in Abstimmung mit Sunplugged ein Messverfahren für die CIGS-Technologie entwickelt, mit dem ebenfalls aus Katalonien stammenden Baukonzern Acciona fand sich ein weiterer Partner, „der uns seinen Teststand und später ein Gebäude für Fensterprototypen zur Verfügung stellt“. Die Idee des Konsortiums überzeugte in Brüssel, Beratung zum Antrag hatte Zimmermann sich bei der Kontakstelle Enterprise Europe Network in der Standortagentur Tirol geholt. Anfang Oktober startete das EU-Projekt Solar-Win unter Förderung aus dem Forschungs- und Rahmenprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union im Rahmen des Förderinstruments „Fast Track to Innovation“.

„Phsyee will die Transparenz seiner LSC-Gläser, die derzeit bei 80 bis 85 Prozent liegen, verbessern. Wir müssen unsere Solarzellen genau anpassen“, zählt Zimmermann die ersten Projektschritte auf, der Gang in den Teststand ist für Sommer anvisiert. Auf 30 bis 40 Watt pro Stunde und Quadratmeter schätzt er den Energie-Output. „Das ist zwar nicht besonders viel, in der Summe aber doch“, nennt Zimmermann große verglaste Bürogebäude als vorrangiges Ziel, die stromproduzierenden Fensterscheiben sollen aber auch, so der Plan, für den privaten Häuslbauer, erhältlich sein.


Link: Sunplugged Photovoltaics
 

Dieser Beitrag ist im aktuellen „Standort Tirol“, Ausgabe Nr. 37, erschienen. Die gesamte Ausgabe mit weiteren Nachrichten aus dem Innovationsland Tirol und Cluster Erneuerbare Energien Tirol können Sie hier nachlesen.

 

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