Foto: Andreas Friedle

Gebäude nützen

Haben das Solarpotenzial der Fassaden von 160.000 Wiener Gebäuden berechnet und arbeiten an einer Web-Anwendung für Privatanwender: Markus Posch und Frederic Petrini-Monteferri (v.l)

Solarpotenzial von Fassaden

Wie viel Energie könnte die Fassade Ihres Hauses liefern? Tiroler Unternehmen haben ein Berechnungsmodell entwickelt, das auch Privatanwendern zu Verfügung stehen wird.

Ein weltweit Aufsehen erregender Durchbruch gelang der Firma Laserdata in Zusammenarbeit mit dem Photovoltaikspezialisten Steps e.U. zur Berechnung von großflächigen Fassadensolarpotenzialen. Für das Vertisol genannte Verfahren wurden sie auch mit dem Tiroler Innovationspreis 2014 ausgezeichnet. Im Anschluss an eine vom Land Tirol geförderte Machbarkeitsstudie wurde, als erste kommerzielle Umsetzung, in Zusammenarbeit mit dem Geografen Magnus Bremer der Uni Innsbruck, für Wien der mehr als 160.000 Gebäude umfassende Solarkataster für Dach und Fassade erstellt. Als Ausgangspunkt lag ein digitales Stadtmodell vor.

Wenn solche Daten fehlen, greifen die Entwickler auf Laserscans zurück. Wenn diese aber von einem Flugzeug aus aufgenommen worden sind, sind nur die Dächer erfasst. „Hier greifen wir auf einen Trick zurück. Wir erzeugen eine virtuelle Fassade, indem wir die Eckpunkte des Daches bis zum Boden verlängern“, erläutert Frederic Petrini-Monteferri, Geschäftsführer der Laserdata. So entsteht eine relativ genaue Annäherung an die tatsächliche Fläche. Die Fassaden werden dann in Punkte zerlegt, die jeweils einen Quadratmeter Oberfläche repräsentieren. So entsteht eine „Wolke“ aus Bezugspunkten. Mit einem Raytracing-Verfahren wird für jede Berechnungseinheit eine direkte Verbindung zur Position der Sonne gezogen. Auch die Beschattung von Fassaden durch Bäume, andere Häuser usw. wird dabei mit eingerechnet.

„Die große Herausforderung lag in der Datenmenge“, erklärt Markus Posch, Geschäftsführer von Steps. e.U. Das Projekt in Wien nahm eine Rechenzeit von drei Monaten in Anspruch und das, obwohl mehrere große Server parallel daran arbeiteten. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen, meint Markus Posch: „Wir wissen jetzt für rund 330 Quadratkilometer Fassade an insgesamt 160.000 Gebäuden in Wien, wie viel Sonnenstrahlung eintrifft und wo sich die Installation von Fassadenmodulen lohnt.“

Die Unternehmer haben mit Vertisol noch einiges vor. „Wir arbeiten bereits an Vertisol 2“, berichtet Posch. Damit soll das Prinzip vom Großen ins Kleine übertragen werden. „Das Nachfolgeverfahren wird es Privatanwendern ermöglichen, selbst das Solarpotenzial von einzelnen Gebäuden zu ermitteln. Wenn Vertisol 2 als Web-Anwendung umgesetzt ist, wird es Privatpersonen Unabhängigkeit von Experteneinschätzungen verschaffen und ihnen ein neutrales, verlässliches Instrument zur Verfügung stellen“, betont Petrini-Monteferri.


Dieser Beitrag ist auch im Standort Tirol, Ausgabe 04/2014 erschienen. Die gesamte Online-Ausgabe können Sie hier lesen.


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