Coole Unternehmen

Während die Männer von Geo Alpinbau auf Deutschlands höchstgelegener Baustelle klirrender Kälte trotzen, hält dank der Osttiroler Kühlschrankprofis von Liebherr das Internet der Dinge „frostigen“ Einzug in die Küche. Und will man vereiste Wände bezwingen, vertraut man am besten dem Know-how von Austrialpin und deren Eisgeräten aus Aluminium, gehärtetem Stahl und Kunststoff made in Tyrol.

„Da oben ist es wirklich kalt, der Kran muss täglich abgeeist werden“, erzählt Anna Ortler. Doch nicht nur im Jänner 2017, als eine Kältewelle ganz Mitteleuropa einfrieren ließ, war es „da oben“ wirklich kalt, auch schon im August, weiß Ortler, hat es geschneit. Oben, das ist die höchste Baustelle Deutschlands, eine neue Seilbahn soll vom Eibsee nahe Garmisch-Partenkirchen aus den Gipfel der Zugspitze auf 2962 Meter erschließen. Mit dabei ist das Unternehmen Geo Alpinbau, die Spezialisten aus dem Tiroler Oberland setzten sich in einer EU-weiten Ausschreibung gegen die Konkurrenz durch und erhielten den Zuschlag für die Baumeisterarbeiten. Bergstation und Stütze, ein spektakulärer Auftrag, gibt die fürs Marketing verantwortliche Ortler zu, vor allem da Geo Alpinbau sozusagen ein Jungspund ist – Firmenchef Helmut Ortler gründete das Unternehmen vor neun Jahren mit zwölf Mitarbeitern, heute sind es 80, die für einen Umsatz von 20 Millionen Euro sorgen.

Kein Jungspund mehr in Sachen Coolness ist die Unternehmensgruppe Liebherr. Ein mobiler Turmdrehkran macht 1949 aus einem kleinen Bauunternehmen im deutschen Kirchdorf an der Iller den Baumaschinenhersteller Liebherr. 1953 wird Firmengründer Hans Liebherr von seiner Hausbank gefragt, ob er an einem in Konkurs gegangenen Kühlschrankwerk interessiert sei. Liebherr beschäftigt sich mit dem Produkt, den Verkaufszahlen und den Märkten, erkennt das Potenzial der Geräte. Trotzdem entscheidet er sich gegen den Firmenkauf – und setzt auf eigene Produktionsanlagen am süddeutschen Standort Ochsenhausen. 1954 wird dort der erste Kühlschrank gefertigt und bereits ein Jahr später beginnt die Serienproduktion. Zum Liebherr-Hausgeräte-Werk in Ochsenhausen kommt 1980 ein zweiter Standort in Tirol dazu, 2014 verlässt das 15-millionste im Tiroler Lienz gefertigte Kühlgerät das Werk. Dass dieses kein „normaler“ Kühlschrank, sondern ein Weintemperierschrank war, passe ganz gut, meint Lucas Nerud, Geschäftsführer Vertrieb von Liebherr-Hausgeräte Lienz, schließlich seien die Weinschränke eine spezielle

Innovation des Osttiroler Standorts, dessen 1340 Mitarbeiter im Jahr 2015 einen Umsatz von 271 Millionen Euro erzielten.

Auf Innovation, zudem auf Flexibilität setzt man auch bei Austrialpin. In der Branche wäre das notwendig, meint Marketing-Leiterin Doris Günther, um gegen den Mitbewerb, der großteils in Asien fertige, bestehen zu können. Insofern seien auch die „kurzen Wege“ - von der Produktion zum Versand, vom Produktmanager zur Produktentwicklerin - für Austrialpin ein Vorteil. „Wir produzieren“, sagt Günther stolz, „die gesamte Hartware, also 90 Prozent unseres Sortiments, in Tirol. Eispickel, Eisgeräte und Eisschrauben, aber auch Karabiner und anderes Klettergerät werden in Fulpmes geschmiedet.“ Dort, mitten im Stubaital, hat das Schmiedehandwerk eine lange Tradition. Schon im 14. Jahrhundert existierten dort Schmieden, um Werkzeuge für den nahen Eisenbergbau herzustellen. Das Handwerk blieb bestehen, auch als schon längst kein Eisen mehr im Stubai abgebaut wurde, waren die Waffen, Werkzeuge und Schmiedeprodukte weit über die Grenzen hinaus begehrt. Im 20. Jahrhundert kam der Bergsport dazu, 1996 lösten sich vier Familienunternehmen aus der Schmiedegenossenschaft des Tals. „Sie wollten sich ganz auf den Bergsport konzentrieren“, weiß Günther. Chancen, auch ohne Werkzeugproduktion bestehen zu können, gab man den „Revoluzzern“ nicht, heute beschäftigt Austrialpin rund 80 Mitarbeiter.

Das hochalpine Bauunternehmen, der Kühlschrankprofi und der Spezialist für den (Eis-)Klettersport sind nur drei Tiroler Unternehmen, die ihr Geschäft mit kalten (Tat-)Sachen machen. Das Reuttener Unternehmen AST Eis- und Solartechnik etwa hat sich in den letzten 30 Jahren im Bereich der Absorber-Technologie zum Markt- und Innovationsführer hochgearbeitet und verlegt seine Eisbahnen für Sport- und Unterhaltungszwecke auf der ganzen Welt.

Mitte der 1950er Jahre begann sich der Kitzbüheler Maschinenbauunternehmer Toni Kahlbacher auf Schneepflüge zu konzentrieren, heute kann Kahlbacher für jeden Räumeinsatz das passende Gerät anbieten – auf der Straße, auf der Schiene und am Flughafen. Relativ neu im eisigen Geschäft ist KWS, das Jenbacher Unternehmen hat sich auf den Bau von Wellness-Anlagen spezialisiert und punktet seit Kurzem mit Eisschollenkabinen, in denen nach einem Saunabesuch nicht eine kalte Dusche oder ein Tauchbecken den Körper abkühlt, sondern kalte und trockene Raumluft für eine langsame und schonende Abkühlung sorgt. Rasant schockgefrostet wird hingegen in Oberhofen, und zwar 50 Millionen Mal

im Jahr, hat doch Prim As, Österreichs größter Produzent von Tiefkühlpizzas, seinen Standort im Tiroler Oberinntal. Für die optimale Lagerung der Prim As-Produkte im Supermarkt wiederum sorgt Liebherr – seit 2014 mit einer speziellen Truhe, die den Tiroler Innovationspreis erhielt und ein Jahr später für den österreichischen Staatspreis nominiert wurde.

Diese Supermarkttruhen, erklärt Lucas Nerud, werden mit einem eigens entwickelten Verfahren hergestellt: „Es werden gleichzeitig Gehäusefertigung, die Einbringung des Innenbehälters und die Injektion des Isolationsschaums zu einem durchgängigen Fertigungsprozess zusammengeführt.“ Die neuartige Herstellmethode ermöglicht einen hohen Fertigungsgrad bei der Gerätegestaltung, so Nerud, das erhöht zusätzlich die Stabilität und Langlebigkeit. Viel Wert habe man auch auf Energieeffizienz gelegt, ganz der Tradition des Hauses entsprechend. Nerud: „1987 haben wir die sogenannte NoFrost-Technologie für Gefriergeräte entwickelt, die Abtauen überflüssig macht.“ 1993 stellte Liebherr als weltweit erster Hersteller seine gesamte Produktion auf FCKW/FKW-freie Isolierungen um, ein Jahr später begann – mit der Einführung von Isobutan als Kältemittel – die FCKW- und FKW-freie Fertigung von Kühlgeräten.

Entwicklungsarbeit wird auch bei Austrialpin großgeschrieben. „In unsere Produkte fließen die Erfahrung und das Wissen unserer Athleten ein“, betont Geschäftsführerin Katrin Mark-Winkler. Know-how von professionellen Kletterern, von Bergführern und Eiskletterspezialisten, das von der hauseigenen Produktentwicklerin umgesetzt wird. Jahrelange Feinarbeit steckt etwa im Fish, ein neuartiges Sicherungsgerät mit einer Verbesserung im Handling, das, so Doris Günther, „2016 total eingeschlagen hat.“  Da sei man selbst überrascht worden, ergänzt Mark-Winkler, weil es ja schon viele Sicherungsgeräte gebe, „aber unsere Ansätze dürften den Nerv getroffen haben.“ Zudem ist der Fish ein Fliegengewicht – gerade mal 68 Gramm schwer. Ein Jahr länger am Markt ist der K.ice.R, ein 620-Gramm-Eisgerät aus Aluminium, gehärtetem Stahl und Kunststoff made in Tyrol, „auch der Kunststoff kommt von einem Partnerbetrieb aus Fulpmes“.

Viel Stahl wird auch von Geo Alpinbau für die neue Seilbahn Zugspitze verarbeitet, nämlich „600 Tonnen, dazu noch 2000 Kubikmeter Beton“, weiß Firmenchef Helmut Ortler. Der gelernte Maurermeister hat sich mit seinem eigenen Unternehmen seinen Lebenstraum erfüllt, den rasanten Aufstieg erklärt er bescheiden mit „dem Streben nach mehr“.  Dass der hochalpine Bereich für

Geo Alpinbau das richtige Segment sei, hänge auch mit der Herkunft der meisten Mitarbeiter zusammen, lacht Anna Ortler: „Viele sind in einem Bergdorf aufgewachsen.“ Die alpinen Baustellen – 2010 der Slalomhang Gudiberg und 2011 die Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, 2012 ein komplett neues Skigebiet im deutschen Braun­lage – machten die Tiroler beim nördlichen Nachbarn bekannt, die Qualität der Arbeit passte auch.

Die neue Bahn auf die Zugspitze sei nun eine spezielle Herausforderung, heißt es bei Geo Alpinbau, die Bahn selbst bricht einige technische Rekorde: Nur eine Stütze mit einer Rekordhöhe von 127 Metern beim größten derzeitigen Höhenunterschied zwischen Tal- und Bergstation (1945 Meter) sowie der längste Abstand zwischen einer Stütze und der Bergstation (3213 Meter). Die Arbeit, erzählt Ortler, verlange den Männern alles ab, die Betonierarbeiten am Abgrund seien eine besondere Herausforderung. Und das Wetter: Ortler schützt seine Mitarbeiter mit einer Spezialmontur, die Tiefkühlanzüge halten noch bei minus 40 Grad warm. Seit 2015 ist die Geo Alpinbau auf der Zugspitze im Einsatz, mit Jahresbeginn wurde der Countdown für die Eröffnung der neuen Seilbahn Zugspitze im Dezember 2017 eingeläutet.

Das Jahr 2017 hat man sich auch bei Liebherr im Kalender dick angestrichen, mit dem intelligenten Kühlschrank hält das Internet der Dinge Einzug in die Küche. „Es geht künftig nicht mehr nur um den Kauf eines einzelnen Kühl- und Gefriergeräts, sondern um das intelligente Zusammenspiel vernetzter Lösungen, um die Arbeit im Haushalt zu vereinfachen und mehr Komfort und Freude in die Küche zu bringen“, beschreibt Steffen Nagel, Geschäftsführer Vertrieb der gesamten Liebherr Hausgeräte-Sparte, den innovativen Ansatz. Die Geräte der BluPerformance-Reihe eröffnen neue Interaktionsmöglichkeiten für das Lebensmittelmanagement. Steffen Nagel: „Die eingelagerten Lebensmittel können über Kameras und ein Sprachmodul mit dem persönlichen Küchenassistenten ‚MIA‘ erfasst werden. Die Kameras zeigen dabei nicht nur Bilder, sondern erkennen die einzelnen Lebensmittel im Innenraum.“ Die Informationen fließen in eine Inventarliste ein – schnell und übersichtlich weiß man, was sich im Kühlschrank befindet. Mittels Sprachmodul können weitere Lebensmittel hinzugefügt und so Einkauflisten erstellt werden, auf diese und auf Inventarlisten kann man auch via App zugreifen – und somit von unterwegs einen schnellen Blick in den eigenen Kühlschrank werfen.

 

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