Empl, IONICON und planlicht sind drei Unternehmen, die ihren Teil dazu beitragen, dass die Tiroler Warenexporte in den letzten 15 Jahren überdurchschnittlich zulegten. Waren im Wert von fast zwölf Milliarden Euro verlassen im Jahr Tirol, bringen Licht nach Israel, Analysetechnik über Südkorea und Feuerwehrrot in die ganze Welt.

Im Juni 2016 startete eine modifizierte Douglas DC-8 von der Osan Air Base, einem Luftwaffenstützpunkt der United States Forces. An Bord waren allerdings keine Armeeangehörigen, sondern 34 Wissenschaftler mit Hightech-Geräten im Wert von zig Millionen Euro. Ziel der 20 Flüge umfassenden Messkampagne war eine möglichst genaue Erfassung der Luftqualität über Südkorea, wo sich mit dem Großraum Seoul und seinen 25 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropolregion der Erde befindet. Mit an Bord waren auch ein Team der Universität Innsbruck um Armin Wisthaler – und zwei in Tirol entwickelte spezielle Messgeräte der IONICON Analytik GmbH. „Das Gerät misst winzigste Spuren von Gasen, die in der Atmosphäre Feinstaub und Ozon bilden, und ist das weltweit beste seiner Art“, berichtet Wisthaler. IONICON wurde 1998 als Spin-Off der Uni Innsbruck gegründet, heute, sagt IONICON-Geschäftsführer Lukas Märk, exportiert das Unternehmen seine Spurengasanalysegeräte in die ganze Welt.

Im Herbst 2015 war das neue Bürogebäude der First International Bank of Israel in Rishon Lezion fertig. Das Büro Peleg Architects entwarf 40.000 Quadratmeter moderne Architektur mit einem außergewöhnlichen Eingang – ein Atrium mit 40 Meter Höhe. Eine Herausforderung für den israelischen Lichtplaner Ofer Fridman, der sich für die Tiroler Designerleuchte halo in unterschiedlichen Größen entschied, teilweise mit bis zu 27 Meter langen Abhängungen. Auch für den Speisesaal wählte er eine Lösung mit verschiedenfarbigen halos, für Felicitas Kohler, Geschäftsführerin des Tiroler Familienunternehmens planlicht, eines ihrer Lieblingsprojekte, kam doch die Designerleuchte made in Vomp „in einer signifikanten Menge“ zum Einsatz. Dass ihr Lieblingsprojekt im Ausland angesiedelt ist, ist auch kein Zufall – seitdem Kohler im Jahr 2013 die Agenden von ihrem Vater und Firmengründer Johann Findl übernommen hat, explodierte der Export. Heute macht das Auslandsgeschäft 70 Prozent aus.

Im März 2016 verließen vier Sattelauflieger das Ziller-

tal Richtung Leuna, einer Stadt in Sachsen-Anhalt – alles in klassischem Feuerwehrrot. Ziel des Transports war der Chemiestandort Leuna, einer der größten seiner Art in Deutschland. Auftraggeber war die Werkfeuerwehr der InfraLeuna GmbH, die mit einer vagen Idee für die Gestaltung der neuen Auflieger bei der Tiroler Firma Empl vorstellig geworden war. Gemeinsam fand man eine individuelle Speziallösung, eine innovative und einzigarte Aufbauweise im Feuerwehrsektor. „Für 1800 bis 2000 Fahrzeuge im Jahr produzieren wir die Aufbauten“, schildert Firmenchef Joe Empl. Sein Großvater begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit Anhängern für die Landwirtschaft, mit dem Kraftwerksbau und dem wirtschaftlichen Aufschwung im Tal kamen Lkw-Aufbauten dazu. Ins Ausland brachte die Empls das Öl, schmunzelt Empl, sein Vater nutzte den Boom, um vorerst Saudi-Arabien, dann den benachbarten Ländern die Empl-Sonderfahrzeuge schmackhaft zu machen. Heute gehen über 65 Prozent der Produktion in den Export.

IONICON, planlicht und Empl sind drei Unternehmen, die ihren Teil dazu beitragen, dass die Tiroler Warenexporte in den letzten 15 Jahren überdurchschnittlich zulegten. Lag das Exportaufkommen im Jahr 2000 noch bei 6,1 Milliarden Euro, erreichte es 2014 11,2 Milliarden, für 2016 werden 11,8 Milliarden prognostiziert. Die sachgüterproduzierenden Betriebe exportieren rund 40 Prozent ihrer Waren, die Industrie gar knapp 75 Prozent ihrer Produktion. Tiroler Waren – ob Kristallschmuck von Swarovski, Marmelade von Darbo, Holzmaschinen von Felder, Kühlschränke von Liebherr oder Jalousien von Hella – gelangen in die ganze Welt und schließen damit an eine „Exporttradition“ Tirols an, deren Wurzeln im Mittelalter liegen.

Im Jahr 1409, so erzählt es die Sage, beobachtete die Magd Gertraud Kandlerin einen Stier, der auf einer saftigen Bergwiese mit seinen Hörnern den Boden umpflügte und dabei schillernde Gesteinsbrocken freilegte – der Eiblschrofen bei Schwaz gab sein erstes Silber her. Wenige Kilometer den Inn flussaufwärts, in Hall, gehörte Bergbau schon zum Tagesgeschäft: Seit dem 13. Jahrhundert wurde dort Salz gewonnen. Das Haller Salz gelangte bis in die Schweiz, den Schwarzwald und das Rheingebiet, das Silber aus Schwaz in den gesamten europäischen Raum. Doch mit dem schwindenden Silber begann Tirol zu verarmen, im 18. Jahrhundert fand die Bevölkerung mit Transithandel, Salzbergbau und Landwirtschaft kein Auslangen mehr. Man be-

gann mit der Produktion von Eisenwaren, Glaspro-dukten sowie Messinggeschirr und vertrieb diese als Wanderhändler in ganz Europa. Die napoleonischen Kriege und die Industrialisierung Englands bedeuteten ein Ende für die kleine Gewerbewirtschaft. Der Eisenbahnbau ab 1858 war die Rettung. Den neuen Transportweg nutzten neue Betriebe, die aufgrund der billigen Wasserkraft in Tirol zu produzieren begannen. Doch die Eisenbahn brachte auch Gäste ins Land und legte damit den Grundstein für die heutige Marke Tirol, eine Marke, von der auch Tirols Exportwirtschaft profitiert.

„Egal ob Deutschland oder Frankreich, beinahe jeder kennt Tirol“, bestätigt Felicitas Kohler den Marken-Mehrwert: „Und wenn ich sage, ich produziere zu 100 Prozent in Tirol, ist das ein Qualitätsversprechen.“ Ein Versprechen, auf das planlicht-Kunden – vor allem Lichtplaner und Architekten – bauen können. Licht, so Kohler, begleitet sie schon ihr Leben lang und fasziniert sie immer noch: „Besonders interessiert mich, was eine Leuchte im technischen Output kann.“ Ein Interesse, das sich auch in der Firmenphilosophie widerspiegelt, 14 Mitarbeiter sind in der technischen Entwicklung tätig, um in planlicht-Produkte aktuelle Trends wie etwa biodynamisches Licht einfließen zu lassen.

„Damit stellt man das Tageslicht mit einer Leuchte sozusagen nach, vom kühlen Morgenlicht bis zum warmen Abendlicht“, erklärt die planlicht-Chefin, das „gesunde Licht“ sei etwa optimal für Kindergärten, Schulen, Pflegeheime und generell für Räume, „wo Menschen arbeiten“. Die Programmierung der Leuchten entspricht dem Tagesverlauf des Lichts, sie kann aber, erläutert Kohler, auch individuell auf den Kunden abgestimmt werden. Kunden, die planlicht vermehrt im Ausland findet. „Österreich ist ein guter Markt“, meint die Unternehmerin, „aber eben nicht der einzige.“ Und so habe sie ab 2013 zwecks geschäftlicher Risikominimierung auf den Export gesetzt – was eine 70-prozentige Umsatzsteigerung und fast eine Verdoppelung der Mitarbeiter von 90 auf 160 mit sich brachte.

Auch das Familienunternehmen Empl setzt auf den Export und nutzt dabei die alpine Herkunft auf seine eigene Art, denn, lacht Joe Empl, „die Marke Tirol hat mir noch keinen Lkw-Aufbau verkauft.“ Dafür aber werde ein Empl-Verkauf im Zillertal finalisiert, nachdem die Fahrzeuge auf der firmeneigenen Teststrecke durchgerüttelt und durchgecheckt wurden, "erfolgt

die Abnahme der Spezialanfertigung durch den Kunden im Werk.“ Und dass die Landschaft hier, fährt Empl fort, ein Erlebnis ist — vor allem für jene, die sie noch nie gesehen haben –, könne für einen Folgevertrag durchaus hilfreich sein. Verträge, sagt der Firmenchef, die „im Bereich Feuerwehr und logistische Produkte“ weit über den EU-Raum hinausreichen. Joe Empl: „China läuft z.B. gut, wobei wir hier nur in Nischen wie Tunnel- und Sonderlöschfahrzeuge tätig sind.“

Vom kleinen Kaltenbach aus arbeitet Empl mit allen europäischen Fahrgestellherstellern zusammen, geht es um individuelle Lösungen für den Kunden – ob Aufbauten für den Verteilerverkehr, Kommunen, Werksfeuerwehren oder Berge- und Abschleppunternehmen –, sind die Spezialisten des derzeit circa 450-Mann-Unternehmens (325 am Standort Kaltenbach, 125 im deutschen Werk Zahna-Elster) gefragt. „Wir haben uns schon von Beginn an am Kunden orientiert, individuell gefertigt und keine Standardserienprodukte aus unseren Aufbauten entwickelt“, blickt Joe Empl auf die Anfänge des Unternehmens zurück. Und der Nischenmarkt hat Zukunft, ist der Firmenchef überzeugt, bedeutet doch die zunehmende Automatisierung, „dass die Nischen größer werden“.

Flexibel ihre Nische perfekt zu bedienen, ist auch der Ansatz, den IONICON verfolgt. Die in den 1990er Jahren an der Uni Innsbruck entwickelte PTR-MS-Technologie zur Echtzeitmessung von flüchtigen organischen Verbindungen in der Gasphase ist immer noch die Kernkompetenz von IONICON. „In diesem Bereich sind wir Leader und entwickeln uns ständig weiter“, stellt Lukas Märk fest. Der Einsatzbereich der in Innsbruck gebauten Instrumente ist zwar speziell, aber vielseitig. Airbus etwa, erzählt der IONICON-Geschäftsführer, testet mit Tiroler Know-how die Qualität der Kabinenluft, der Innsbrucker Ionenphysiker Armin Hansel erforscht damit am CERN die Entstehung von Wolken, in Finnland wurden die Ausgasungen von Bodenplatten aus Holz-Plastik-Gemischen untersucht, für einen niederländischen E-Zigaretten-Hersteller die Ein- und Ausatemluft. Europa und die USA, Korea und verstärkt China sind die Hauptmärkte von IONICON – das Unternehmen liegt damit sozusagen im Tiroler Exporttrend.

Rund 60 Prozent der Tiroler Exporte gehen in die EU, 20 Prozent machen das restliche Europa aus, sieben Prozent fließen nach Asien, sechs nach Nordamerika. Aufgteilt nach Ländern, stellen die direkten Nachbarn die Top 3: Deutschland (27%), Schweiz (15%) und

Italien (10%), gefolgt von Frankreich, den USA und schon China. Exportiert werden vor allem Maschinen und Apparate (im Wert von 2,3 Milliarden) sowie pharmazeutische Produkte (2,1 Milliarden), die Sparte „Optische und fotografische Instrumente sowie Mess-und Prüfinstrumente“ kommt auf 500 Millionen Euro. Seit 2014 zählt auch ein vollständig eigenentwickeltes Komplettsystem von IONICON dazu.

„Kern unserer Geräte ist ein Massenspektrometer, das wir bislang zugekauft haben und für High-End-Geräte auch weiterhin zukaufen“, sagt Märk. Für den Routinebetrieb baut man die Massenspektrometer inzwischen selbst, mit dem Vorteil, günstiger und flexibel für den Kunden produzieren zu können. Das 30. Stück wird derzeit gebaut, bis Jahresende ist man bereits ausgebucht, mit ein Grund dürfte sein, dass IONICON inzwischen auch Lösungen für spezielle Märkte liefern kann und sich vermehrt auf die Applikationen der Kunden einstellt.

Die Flexibilität des Familienunternehmens, ist sich Felicitas Kohler sicher, unterscheide auch planlicht von Größen in der Lichtbranche: „Wir können rasch reagieren und schnell liefern.“ Verkaufsniederlassungen in Österreich, Deutschland, Frankreich, Finnland und Schweden garantieren gutes Kundenservice, „im Produktbereich“, so Kohler, „schauen wir, dass wir bei Technologiesprüngen immer vorn dabei sind“. Preislich könne man zwar aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Tirol mit vielen nicht mithalten, „aber das will ich auch gar nicht. Wir wollen nicht die billigsten sein, sondern weiter in Tirol die Qualität produzieren, die unsere Kunden schätzen.“

Auch Joe Empl räumt ein, dass es von Tirol aus „über den Preis nicht geht und man sich daher ständig weiterentwickeln muss“. Bei Empl z.B. mit einer intensiven und breiten Lehrlingsausbildung und der hauseigenen Akademie zur Mitarbeiter- und Kundenschulung. Geschultes Personal benötigt auch IONICON, die Nähe zur Universität sei da ein Vorteil. „Wir machen viele Projekte mit der Uni Innsbruck, sehr viele unserer Mitarbeiter kommen von dort“, sagt Lukas Märk. Hochqualifizierte Mitarbeiter würden sich auch hohe Lebensqualität und eine entsprechende Umgebung erwarten, meint der IONICON-Chef, schaut aus dem Fenster auf die Berge rund um die Tiroler Landeshauptstadt und lacht: „So wie hier halt."

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